“Ja, ich bin schüchtern. Ich werde mich im neuen Jahr mehr bemühen und mich trauen, etwas zu sagen. Danke, dass Sie an mich glauben.“

„Sie haben beim Elternsprechtag so viele nette Sachen über mich gesagt, meine Mutter hat zu Hause geweint… vor Freude!“

„Ich will ihnen nur eins sagen, dank ihnen liebe ich Mathe über alles. Danke“

„In Ihrem Unterricht lernen wir auch Fremdwörter. Da fühlt man sich wie im Gymnasium.“

„Danke, dass Sie immer an mich geglaubt haben.“

Mein Name ist Gülsah Demir,

ich bin zwölf Jahre alt, und ich möchte meine Geschichte erzählen. Warum ich das mache? Weil ich anderen Kindern Hoffnung geben möchte. Den Kindern, die ich in der Schule jeden Tag sehe, die glauben, sie könnten nur Maurer oder Verkäuferin werden; den Kindern, die glauben, ihre Träume sind unerreichbar. Allen Kindern, die glauben, sie schaffen es nicht, möchte ich erzählen, was ich erlebt habe.

Ich bin in Wien geboren, meine Muttersprache ist aber nicht Deutsch. Weil ich so gerne lerne ging ich nach der Volksschule auf ein Gymnasium. An einem Schultag, es war die letzte Stunde, hatten wir Deutsch. An diesem Tag sprachen wir über Berufe; meine Freunde erzählten, was sie einmal werden wollten. Ich wurde auch gefragt und sagte: „Ich will eine Ärztin sein, und zwar eine Herzchirurgin.“ Kaum hatte ich das ausgesprochen, rief meine Deutschlehrerin: „Du wirst es nie schaffen, eine Ärztin zu sein.“ Sie sprach diese Worte vor der ganzen Klasse aus. Damals war ich zehn Jahre alt. Ich war sehr, sehr traurig. Schon letzte Woche hatte sie meinen Vater angerufen und gesagt: „Ihre Tochter gehört nicht in diese Schule. Sie gehört in die Mittelschule.“ Obwohl ich wusste, dass meine Lehrerin mich nicht mochte, meldete ich mich oft. Ich wollte mitarbeiten und meine Noten verbessern. Meistens nahm mich meine Lehrerin nicht dran. Einmal wurde ich aufgerufen und machte einen Artikelfehler. Meine Deutschlehrerin und meine Mitschüler lachten mich aus.

„‚Du wirst es nie schaffen, eine Ärztin zu sein.‘ Sie sprach diese Worte vor der ganzen Klasse aus.“

Danach hatte ich Angst in die Schule zu gehen. Angst, Fehler zu machen. Angst, ausgelacht zu werden. Diese Zeit war sehr schlimm für mich.

Endlich kamen die Sommerferien, mein erstes Schuljahr an der AHS war vorbei. Es endete furchtbar. Ich hatte es nicht geschafft. Etwas Freude über das nächste Schuljahr hatte ich nur, weil ich nicht mehr zurück zu dieser Lehrerin, in diese Schule musste.

„Ich fand wieder Hoffnung. Meine neue Lehrerin redete oft mir und fragte mich, ob ich meine Fragen und Gedanken anderen mitteilen möchte; dass das, was ich zu sagen hatte, wichtig sei.“

Dann kam mein erster Tag in der Mittelschule. Ich kam in die Klasse hinein und sah eine wunderschöne Lehrerin, Frau Markl. Sie sah mich und lächelte. Mit ihr machte der Unterricht Spaß, sie sah jeden kleinen Fortschritt, den wir machten. Sie sagte jeden Tag, dass wir es schaffen könnten, dass jeder von uns seine Ziele erreichen kann. Sie gab uns nie auf. Sie sagte: „Gülsah, du wirst eine Ärztin sein. Du wirst es schaffen.“ Da habe ich geglaubt, dass ich wirklich eine Ärztin werde. Ich fand wieder Hoffnung. Meine neue Lehrerin redete oft mit mir und fragte mich, ob ich meine Fragen und Gedanken anderen mitteilen möchte; dass das, was ich zu sagen hatte, wichtig sei. Ich habe eine Rede geschrieben und vor vielen Menschen gehalten. Ich war stolz und glücklich. Sie und meine Eltern haben mich motiviert, an mich selbst zu glauben, sie motivieren mich noch immer, eigentlich. Natürlich motiviere ich mich selber auch, denn ich weiß jetzt, dass ich das kann.

Ich bin in der zweiten Klasse und ich weiß, ich werde maturieren. Wenn ich Matura mache, werde ich mit Frau Markl hingehen und glücklich sagen: „Ich habe es geschafft.“ Als Ärztin werde ich den kranken Menschen helfen. Meine Geschichte erzähle ich, um diese Hoffnung zu teilen; um zu zeigen: ja, das geht.

Wie geht’s weiter?

Unterstützen Fellow Werden