Was Bildung von Fußball lernen kann

 

 

RB Salzburg gegen Lazio Rom 6:5. Was kann der für die Zukunft unseres Landes wichtige Bildungssektor von einem Ballspiel lernen?

Von Walter Emberger

April 2018:  RB Salzburg schafft das Unmögliche. Nach einem 2:4 im Hinspiel und nach einem 0:1 Rückstand im zweiten Spiel hat das Team dieses in einer wahren – vor allem mentalen – Meisterleistung gedreht und mit 4:1 so hoch gewonnen, dass es ins Halbfinale der europäischen Liga aufstieg.

Ich muss zugeben, dass ich nach dem Hinspiel nicht mehr an den Aufstieg geglaubt habe. Mich hat diese Leistung zu einem Gedankenexperiment angeregt: Wenn man hier Parallelen zum österreichischen Bildungssystem zieht, wäre der Sieg möglich gewesen?

Starten wir das Gedankenexperiment, mit dem Trainer als Schuldirektor oder Lehrer, den Schiedsrichtern als Schulaufsicht, den Spielern als Schüler oder Lehrer. Das wäre nach dem Hinspiel passiert:

  • Führende Fußballexperten hätten nach der 2:4 Niederlage im ersten Spiel das Ergebnis angezweifelt, denn die Tore sind in einem Auswärtsspiel unter extremen Belastungssituationen der involvierten Spieler zustande gekommen.
  • Diese Zweifel hätten den ohnehin starken Ruf nach einer umfassenden Fußballreform im Land verstärkt und die Handelnden gezwungen zu reformieren:
    • Die Zuständigkeiten der Schiedsrichter wären adaptiert worden. Ihre Rolle ist nun Qualitätssicherer. Ihre Einschulung auf diese neue Aufgabe musste wegen Zeitmangel verschoben werden, was aber gut passte, weil der Finanzer keine Budgetmittel dafür freigegeben hat.
    • Das Spiel wäre in Teilkompetenzen zerlegt worden, und das Rückspiel fände nicht als Spiel statt, sondern zerlegt in Dribbeln, Passen, Flanken, Köpfeln, Gaberln, Freistoß, Eckstoß, etc
    • Die Spielerzahl wäre von 11 auf 12 erhöht worden. Die Verkürzung des Spielfelds um 10 cm wäre ebenfalls vorgeschlagen, konnte aber aufgrund massiven Protests jedoch noch abgefangen werden.
    • Ebenso abgewendet werden konnte die Forderung, das Rückspiel ohne Gegner stattfinden zu lassen, weil den Spielern aufgrund ihres jungen Alters so viel Druck nicht zuzumuten wäre.
  • Nach dem 2:4 hätten sich die vielen Experten bestätigt gefühlt, die schon immer von der Leistungsschwäche der Salzburger Fußballer überzeugt waren. Sie setzen eine zusätzliche Sondererhebung “Spieler-Standards” durch. Der Trainer muss diese durchführen und auch umfangreich und lückenlos dokumentieren. Hier geht man sehr konsequent vor und duldet kein halbherziges Ausfüllen.
  • Ergebnisse werden in Zukunft nicht mehr veröffentlicht, um zu verhindern, dass die unterlegene Mannschaft keine vielversprechenden Nachwuchsspieler mehr bekommt. Nur Schiedsrichter und Trainer bekommen die Ergebnisse nach ihrer Auswertung einen Monat nach dem Spiel. Sie dürfen diese nur mit den Spielern besprechen, sind ansonsten zur Geheimhaltung verpflichtet. Beim Rückspiel sind die Ergebnisse des Hinspiels also noch nicht bekannt.

Jetzt zum Trainer: Der hätte nicht viel zu sagen. Die Spieler sind von einem Pool geschickt und bezahlt, vom Trainer hängen sie kaum ab. Sie finden ihn meist nett, manche halten ihn auch für einen Spinner, der viel über Motivation redet, dem das Mindest, also Haltung und Einstellung der Spieler, mindestens so wichtig ist wie ihre fachlichen Kompetenzen.

Aber wozu die Aufregung? Das Spiel wäre sowieso nicht zu Ende gespielt worden. Der Platzwart hätte die Partie um 22 Uhr beendet, alle hinausgejagt und das Stadion gesperrt. Er gehört zur Stadionverwaltung und nicht zur Sportverwaltung.

Jetzt zurück in den ernsten Modus, es gibt schließlich einen positiven Ausblick. Man kann vom einfachen Ballspiel viel für relevantere Sektoren lernen:

Den Trainer bevollmächtigen, ihn an der Haltung, der Einstellung arbeiten lassen. Ihm den nötigen Respekt und Freiraum geben, ihm die Verantwortung für die Spieler geben. Weiters: hohe Erwartungen an die Beteiligten, Respekt vor ihrem Berufsstand und sie in Ruhe arbeiten lassen.

Damit wäre schon ein guter Start geglückt.

Als Salzburger liegt meine Begeisterung und Bewunderung für diese Leistung auf der Hand. Ich bin überzeugt, dass wir auch für unser Bildungssystem viel davon lernen können.