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Was hat Sie dazu ermutigt, mit jungen Kindern zu arbeiten?

Ursprünglich habe ich mich als Sekundarlehrer beworben. Durch meine Freiwilligenarbeit und die Arbeit beim Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V hatte ich bereits einige Erfahrungen in der Arbeit mit jungen Kindern. Ich habe diese Arbeit wirklich genossen. Aber der Großteil meiner Unterrichtserfahrung war mit älteren Schüler*innen. Ich fühlte mich selbstsicher, wenn ich darüber nachdachte, dass ich ältere Schüler*innen in der Sekundarstufe unterrichten würde.

Doch Teach First bot mir an, mich zum Grundschullehrer auszubilden. Ich muss zugeben, dass ich damals den Vorschlag auf die leichte Schulter nahm. Ich dachte mir: “Wie schwer kann es sein, jungen Kindern Mathe zu unterrichten? Oder Naturwissenschaften? Du brauchst nicht das wer-weiß-was Wissen zu haben.” Ich dachte, dass die Planung von Unterrichtsstunden einfach sein wird. Fehler. Riesiger Fehler. Ich hatte die Chance, mit gut vorbereiteten Teach-First-Tutoren und an der weltweit führenden UCL im Bildungsbereich zu studieren. Mir wurde klar, wie viele Dinge ein Lehrer jeden Tag tun muss, um ein echter Profi zu sein: Hart arbeiten für die persönliche Entwicklung, immer auf dem neuesten Stand der Bildungsforschung sein. Man trifft fundierte und wissensbasierte Entscheidungen. Außerdem muss man zumindest Grundkenntnisse in Neurowissenschaften haben und wissen, wie das Lernen geschieht.

Was bedeutet es für Sie, Fellow bei Teach First UK zu sein und mit Kindern aus sozioökonomisch schwachen Familien zu arbeiten?

Durch Teach First UK zum Unterrichten zu kommen, hat mir gezeigt, was “Bildungsungleichheit” wirklich bedeutet. Meine Schüler*innen – Kinder mit Talenten und Kreativität und Lust zu Lernen – stoßen ständig auf Hindernisse und Barrieren, die ihre Schul- und Lebenswege viel schwieriger machen als ihre wohlhabenden Altersgenossen: Wenn das Leben ein Formel-1-Rennen wäre, würden meine Kinder leider von letzter Position starten, also weit hinter jenen, die das Glück hatten in wohlhabenden Familien geboren zu werden und die im Gegenteil dazu von der Pole Position starten können.

Was bedeutet es, mit jungen Kindern zu arbeiten?

Mit Kindern in diesem Alter zu arbeiten kann eine große Wirkung haben.  Ziel ist es, die Lücke zwischen Kindern mit sozial benachteiligtem Hintergrund und ihren wohlhabenden Gleichaltrigen zu verkleinern, bevor es zu spät ist. Wie das geht? Wir beginnen mit einfachen, aber wesentlichen Dingen. Wir haben hohe Erwartungen an alle. Wir fordern sie zum Denken auf hohem Niveau, lesen ihnen häufig etwas vor. Wir möchten, dass alle Kinder wachsen, sich zum Beispiel daran gewöhnen, sich selbst herauszufordern und leidenschaftlich beim Lesen und Lernen sind. Das Ziel, für das ich verantwortlich bin, ist es, für diese Kinder einen Unterschied zu machen und ihnen zu helfen, ihre Ziele und Träume zu erreichen, was auch immer, diese sein mögen. Zur Universität gehen, sein Diplom machen, einen anständigen Job haben, der sie finanziell unabhängig macht, oder einfach Reisen unternehmen usw. Wie? Als ausgebildeter Lehrer von hoher Qualität, ein Fachmann, der an das Potenzial dieser Kinder glaubt und entschlossen ist, sie trotz ihrer Schwierigkeiten zum Bildungserfolg zu führen.

Haben Sie Ihre Ziele als Lehrer erreicht? Welche Wirkung hatten Sie bis jetzt als Lehrer?

Am Ende des ersten Jahres haben haben die Kinder eine nationale Prüfung für Phonetik zu absolvieren. Sie erhalten eine Liste mit 40 Wörtern, davon zwanzig reale Wörter und zwanzig zusammengesetzte Wörter. Sie müssen mindestens 32 davon korrekt lesen. In Anbetracht der Natur der englischen Sprache mit so vielen Unregelmäßigkeiten, alternativen Klängen für dieselben Grapheme und gleichen Phonemen, die durch verschiedene Grapheme repräsentiert werden, ist dies ein sehr anspruchsvoller Test. Der nationale Durchschnitt in den Jahren 2017 bis 2018 lag bei 81%. Meine Schule war bei diesem Test einer der Besten. Und das, obwohl meine Kinder in einer benachteiligten Gegend Großbritanniens, dem Stadtteil Brent in London, wohnen. Letztes Jahr haben alle meine 29 Kinder Englisch als Zweitsprache gesprochen. Dank meiner harten Arbeit und der Unterstützung, die ich von Teach First, der University College London (UCL)  und meiner Schule erhalten habe, lagen meine Kinder über dem nationalen Durchschnitt, wobei 86%, davon 25 von 29 von ihnen den nationalen Test bestanden haben. Wenn ich dies als Indikator für meine Auswirkungen auf das Lernen meiner Kinder nehme, kann dies als bemerkenswert angesehen werden. In allen Fächern machen meine Kinder die erwarteten Fortschritte oder sogar mehr. In diesem Jahr arbeiten bereits einige Kinder auf Stufe 2. Fast alle erreichen ihre Lernziele. Um das Wichtigste ist, dass sie gerne zur Schule kommen und begeisterte Lernende sind.

Es war das Beste, was mir passieren konnte, dass man mich in der Grundschule und insbesondere in der 1. Klasse einsetzte. Ich liebe es, mit kleinen Kindern zu arbeiten, weil sie spontan und lustig sind. Es ist ersichtlich  und beeindruckend, sie beim Wachsen sowohl auf persönlicher als auch auf akademischer Ebene, die wir in den elf Monaten gemeinsam zusammen verbringen, zu beobachten. Zum Beispiel beginnen die Kinder im September verängstigt mit der Schule und vermissen ihre Eltern und nach nur wenigen Monaten beschweren sich die Kinder in den Weihnachtsferien, weil sie sagen, dass sie die Schule vermissen. Sie beginnen jeden Tag etwas zu verlieren, wie zum Beispiel ihren Schul-Pullover, Schal, ihre Handschuhe usw. Doch sie sind letztendlich für ihre eigenen Bücher und Hausaufgaben selbst verantwortlich. Am Anfang können sie kaum von 0 bis 20 vorwärts zählen, doch im Juli können sie zwischen zwei und fünf vor uns zurück zählen sowie zwischen 0 und 100 zählen.

Welche Fächer unterrichten Sie? Was sind ihre Aufgaben und Methoden?

Ich unterrichte alle Themen mit einem dialogischen Ansatz, was bedeutet, dass Kinder mit einbezogen werden. Ich arbeite mit Fragestellungen und Erkundungsaufgaben. Das Gespräch miteinander und untereinander wird genauso geschätzt wie die Zusammenarbeit zwischen Kindern. Dann haben Kinder auch die Möglichkeit, das Gelernte selbständig anzuwenden.

Jede Lektion ist unterschiedlich, um sicherzustellen, dass alle Kinder entsprechend ihrer aktuellen Situation herausgefordert werden. Niveau. Der Großteil meines Unterrichts und der Bewertung zum Lernen basiert auf Beweisen, das heißt, ich treffe meine Entscheidungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen, die durch Beweise gestützt werden, und Daten aus der Gruppe.

Warum ist es wichtig, Elementarpädagog*innen im Kindergarten zu haben?

Kinder aus wohlhabenden Familien haben in der Regel von Anfang ihres Lebens Zugang zu Bücher. Ihnen wird vorgelesen, sie führen herausfordernde Gespräche und machen bereichernde Erfahrungen wie Reisen, Besuchen bestimmter Kulturorte, gehen ins Theater oder Kino, nehmen an sportlichen Aktivitäten teil, erlernen ein Musikinstrument usw. Im Gegenteil zu wohlhabenden Kindern, haben Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund in der Regel nicht das gleiche Glück und wenn sie fünf Jahre alt sind und mit der Grundschule beginnen, sind sie bereits Monate oder sogar Jahre hinter ihren reichen Altersgenossen in Bezug auf Sprachfähigkeit, Wortschatz, emotionale Intelligenz und Erfahrung. Ich glaube, je früher und eher hochqualifizierte Fachkräfte sich für die Werte und die Mission von Teach For All einsetzen, um junge Kinder aus benachteiligten Verhältnissen zu unterrichten, desto größer kann ihre Wirkung darin sein, die Lücke zu den wohlhabenden Altersgenossen zu schließen und somit ihnen einen erfolgreichen Weg im Bildungsbereich aber auch im  Leben zu eröffnen und zu erleichtern.

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