Wir machen Schule

Ein Schulprojekt, das Lebenswege verändert

„Wir machen Schule“ ist ein von vielen Teach For Austria-Alumni des ersten Fellow-Jahrgangs gemeinsam entwickeltes Unterrichtskonzept, das im Schuljahr 2015/16 an der Mittelschule Leipziger Platz im 20. Wiener Gemeindebezirk eingeführt wurde.

Potenzialfokussierung und Eigenverantwortung als Schlüssel

Die Selbstständigkeit der Schüler*innen steht dabei stets im Fokus. Gemeinsam mit ihren Lehrpersonen, die als Lerncoaches fungieren und potenzialfokussiert arbeiten, stecken sie sich (Lern-)Ziele und evaluieren, wie diese Ziele erreicht werden. Außerdem versucht jeder Lerncoach eine wertschätzende Feedback- und Reflexionskultur zu etablieren. Ein weiterer Eckpunkt ist die Arbeit in Kleingruppen und im Offenen Lernen, während der die Kinder ihre Lernziele selbstständig und eigenverantwortlich erreichen sollen. Abgerundet wird das Konzept durch wöchentliche Teammeetings und die ständige Begleitung des „Instituts für Potenzialfokussierte Pädagogik“, wo in mehrstündigen Workshops aktuelle Fälle besprochen und Techniken vermittelt werden.

„Wir machen Schule” expandiert

Im Schuljahr 2015/16 hat Alumnus Fabio Arienti das Konzept „Wir machen Schule” an die Mittelschule Enkplatz im 11. Wiener Gemeindebezirk gebracht. Was es braucht, damit das Konzept ein Erfolg ist? „Die Eltern müssen mit an Bord sein. Ich habe zehn Bezugskinder, das bedeutet, dass ich eine gute Beziehung zu meinen Kindern aufbauen kann und außerdem mit den Eltern in regelmäßigem Kontakt stehe.“ Es gehe darum, den Eltern zu zeigen, dass man nur das Beste für die Kinder wolle. Ohne die Unterstützung der Schulleitung wäre „Wir machen Schule” ebenfalls nicht möglich. Diese hat sich Fabio jedoch schon gesichert. Die wichtigsten Aspekte des Konzepts sind neben der Selbsteinschätzung der Kinder die Entwicklung der Kompetenz, für sich selber Verantwortung zu übernehmen. „Die Kinder sind größtenteils selbst dafür verantwortlich, was, wann und wie sie lernen. Das ist eine wichtige Kompetenz, die sie auch in der Zukunft brauchen werden.” Außerdem wird von den Lehrer*innen viel Initiative vorausgesetzt. Die Stundenvorbereitungen sind für das Offene Lernen und die Exkursionen sehr intensiv, doch können sie sich dann gezielt um die Kinder kümmern. Es wird darauf achtgegeben, was jedes einzelne Kind gut macht und was es benötigt, um sich zu entwickeln.

Fabio ist mit Leib und Seele dabei, das Konzept umzusetzen. „Ich merke schon jetzt, dass die Kinder besser lernen! Es ist kein Vergleich.”

Seine Direktorin wird sich dafür einsetzen, dass Fabio ohne Lehramtsprüfung an der Schule bleiben darf, doch einfach wird das nicht. Hier zeigt sich die dringende Notwendigkeit der Ermöglichung eines Quereinstiegs in den Lehrberuf. Auch für Alumna Anna-Lena Lock ist „Wir machen Schule” ein Herzensprojekt. Sie hat das Konzept an der Mittelschule Dirmhirngasse im 23. Bezirk im September 2016 gestartet und ist voller Enthusiasmus dabei. Das Konzept geht dabei weit über den Schulalltag hinaus. „Unser Ziel ist, dass mit Hilfe der von uns geförderten Kompetenzen, alle Schüler*innen nach Ablauf der vier Jahre nicht nur entweder einen Fixplatz an einer weiterführenden Schule oder eine Zusage für eine Lehrstelle vorweisen können, sondern darüber hinaus in der Lage sind, sich Ziele für ihre weitere Zukunft zu stecken und diese anhand ihrer Stärken und Schwächen zu adaptieren.”

Das Konzept im Detail

Bezugslehrer*innensystem:  Alle Kinder einer Klasse sind auf Bezugslehrer*innen aufgeteilt, in der Regel sind das 8–10 Kinder pro Bezugslehrer*in. Ein Jahrgangsteam aus Lehrer*innen deckt alle Unterrichtsfächer ab. Dieses System hat viele Vorteile:

  • Alle Lehrer*innen haben große Verantwortung für ihre Bezugsschüler*innen, nicht nur der Klassenvorstand
  • Bezugsschüler*innen haben eine Bezugsperson
  • Mehr Verständnis und Fördermöglichkeiten für die Bezugsschüler*innen
  • Bessere und intensivere Elternarbeit

Lerncoaching mit Arbeitsplänen: Am Montag werden im CheckIn die Lernziele der Woche festgelegt, am Ende der Woche wird im Check-Out das Erreichen dieser Ziele reflektiert.

Offenes Lernen als Fixpunkt: In Deutsch, Mathematik und Englisch wird nur noch die Hälfte der Stunden für Input seitens der Lehrkräfte verwendet, die restlichen Stunden stehen den Schüler*innen als offene Lernstunden zur Verfügung. In dieser Zeit können sie an ihren Wochenplänen arbeiten, worin alle Aufgaben enthalten sind, die zur Erreichung des Wochenziels erledigt werden müssen. Die Lehrkräfte stehen in diesen Stunden nur noch unterstützend zur Seite. Diese Stunden sind nicht Input- , sondern Output-orientiert.

Phasenprüfung statt Schularbeiten: In einer Prüfungswoche absolvieren die Schüler*innen Tests in Deutsch, Englisch und Mathematik. Sie bekommen die Angaben und können daran eine Stunde arbeiten. Dann werden die Arbeiten abgesammelt, die/der Lehrer*in korrigiert nichts, schaut die Arbeiten auch nicht an, und teilt sie am nächsten Tag noch einmal aus. Zu Hause können sie sich davor noch einmal vorbereiten und Stoff nachholen. Sie haben dadurch kein Frustrationserlebnis, dass sie etwas nicht geschafft haben. Dabei lernen sie wiederum.

Farben statt Noten: Während des Jahres werden keine Noten vergeben, um den Druck zu reduzieren. Es werden vier Farben vergeben: grün (1–2), gelb (2–3), blau (3–4), rot (4–5), für alle Fächer. Somit wird während des Jahres nicht über die Noten diskutiert. Noten stehen nur im Zeugnis. 50% des Lehrstoffes (Basiswissen) müssen die Kinder beherrschen, das Wissen darüber hinaus sollen sie gemäß ihrer Stärken vertiefen.

Weiterbildung: Die Lehrer*innen absolvieren regelmäßig Weiterbildung in potenzialfokussierter Pädagogik (Institut für Potenzialfokussierte Pädagogik, Dr. Günter Lueger).

Projektarbeit im Unterricht: Der Großteil der Nebenfächer wird in Projekt- und Gruppenarbeit „erlernt”, weshalb auch viele Lehrausflüge eingeplant sind. Die Stundenvorbereitung ist daher sehr intensiv, im Unterricht haben die Lehrer*innen dafür mehr Zeit, sich den Kindern zu widmen.

Positive FeedBack-Kultur und Selbsteinschätzung: Auf Talente schauen und immer wieder bei den Kindern nachfragen; was machst du gut, was brauchst du dazu? Fokus liegt auf der Selbsteinschätzung der Kinder; sie lernen, für sich selber Verantwortung zu übernehmen, dafür, wie sie lernen, was sie lernen.

Elternarbeit: Da jede*r Lehrer*in nur 8–10 Bezugskinder hat, ist es ihr/ihm möglich, mit deren Eltern ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Gemeinsam mit den Eltern können Ziele für das und mit dem Kind so besser verfolgt werden.

Unterstützung durch die Schulleitung ist Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von „Wir machen Schule”.

Evaluierung und Qualitätsmanagement: Ziel: Nach vier Schuljahren haben 100% der Schüler*innen einen Plan für ihre weitere Entwicklung und die Kompetenzen, diesen auch umzusetzen.

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