Damit die Bildungsschere durch die Corona-Krise nicht noch weiter aufgeht, braucht es gerade jetzt herausragende Persönlichkeiten, die den Unterschied machen. Daher suchen wir weiterhin Fellows für den Jahrgang 2020. Wir haben den Bewerbungsprozess vollständig digitalisiert –
Bewirb dich bis 10.05.2020 für den Fellowjahrgang 2020.

Hier findet ihr Einblick in die Arbeit unserer Fellows und unserer Organisation und welche Auswirkungen die Krise auf die Situation unserer Kids hat.

Meine ersten 60 Tage im Kindergarten als READY-Fellow

Olivia Lange studierte Sozialwissenschaften und war in der Vergangenheit u.a. als selbstständige Autorin tätig. Seit mittlerweile 60 Tagen ist sie als Fellow im Kindergarten tätig und unterstützt Kinder darin ihre Potentiale zu entfalten und sie auf einen guten Start in die Schule vorzubereiten. Wir haben mit ihr über Herausforderungen und persönliche Glücksmomente gesprochen.

Ein Interview mit Olivia Lange, Fellow 2019 im Kindergarten

Wie gestaltet sich ein typischer Arbeitstag von Dir?

Mein typischer Arbeitstag beginnt um acht Uhr morgens. Gemeinsam mit der gruppenleitenden Pädagogin begleite ich einige Kinder vom Haupthaus hinüber in unsere Gruppe, die in einem angeschlossenen Haus wenige hundert Meter entfernt liegt. Dort erwartet uns meist schon ein reges Treiben: Kinder, die gebracht werden, Eltern, die gehen und andere die kommen. Wir begrüßen uns, verabschieden uns von den Eltern und finden uns schließlich im Gruppenraum ein. Während sich einige Kinder gleich ins freie Spiel begeben, wünschen sich andere, dass ich mich mit ihnen beschäftige. Oft nutze ich die Zeit morgens dazu, ein Buch vorzulesen, da es in der Gruppe noch etwas ruhiger ist.

Ab halb neun Uhr wird das gleitende Frühstück eingenommen, wobei eine von uns Erwachsenen mit den Kindern an einem großen, runden Tisch sitzt. Gemeinsames Essen ist für mich ein verbindender Moment, den ich sehr schätze. Meistens spreche ich mit den Kindern über die angebotenen Speisen oder was an diesem Tag ansteht. Nach dem Frühstück beginnt die sogenannte „Bildungsphase“. Meine Angebote, die ich vorbereitet habe, führe ich meistens in dieser Zeit durch. Zum Beispiel gestalte ich gemeinsam mit den Kindern etwas auf Papier oder leite ein Bewegungsspiel an. Kurz nach 11 Uhr machen wir mit der gesamten Gruppe einen Morgenkreis.

Für die Kinder ist diese morgendliche Versammlung ein wichtiger Moment, der ihnen Halt und Sicherheit schenkt, weil wirklich alle aktiv beteiligt werden.

 

Nach der gemeinsamen Begrüßung singen wir meistens ein Lied und machen ein Bewegungsspiel. Wenn das Wetter an diesem Tag trocken ist, gehen wir anschließend in den Garten, wo es viel zu entdecken gibt. Wir erfinden Spiele wie Zapfen-Weitwerfen, finden gemeinsam heraus, welche Blätter zu welchem Baum gehören oder wie viele Asseln sich unter den großen Steinen verstecken.

Für die Halbtageskinder endet der Kindergartentag bis spätestens 12 Uhr. Beim Abholen bieten sich meist gute Möglichkeiten, kurz mit den Eltern zu sprechen. Ich erzähle, was wir heute gemacht haben oder stehe denjenigen mit wenig Deutschkenntnissen beim Verstehen eines Informationsbriefes zur Seite. Die Zeit nach dem Mittagessen verläuft meistens sehr ruhig. Es sind nur noch wenige Kinder da und meistens werden Angebote zur Entwicklung von Kompetenzen, die später in der Schule wichtig sein können, durchgeführt. Um 14 Uhr begleiten die Pädagogin und ich die Ganztageskinder dann wieder hinüber ins Haupthaus, wo sich Kinder aus verschiedenen Gruppen sammeln. Zwischen 15 und 16 Uhr endet mein Dienst.

Ich mache, was anfällt. Auch wenn bspw. das Esstisch abräumen nicht offiziell zu meinen Aufgaben zählt, übernehme ich auch das einmal, wenn ich gerade Zeit habe und der Assistentin damit unter die Arme greifen kann.

Wodurch kannst du in deiner Arbeit am meisten für “deine” Kinder bewirken?

Die Kinder schätzen es unglaublich, dass ich ihnen meine volle Aufmerksamkeit schenken kann. Oft setze ich mich einfach zu ihnen und zeige mein ehrliches Interesse an dem, was sie gerade tun. Wenn Kinder sich gesehen und akzeptiert fühlen, öffnen sie sich und trauen sich bspw. in bestimmten Problemsituationen nach Unterstützung zu fragen. Das kann ein klemmender Reißverschlusses, die Handhabung einer Schere oder auch ein Konflikt mit einem Freund sein.

Die Kinder darin zu bestärken, was sie bereits können und ihre Erfolge sichtbar zu machen, verleiht ihnen Selbstbewusstsein und stärkt ihre Bereitschaft Neues auszuprobieren.

 

Ich versuche auch, die Kinder dort abzuholen, wo sie gerade stehen und in den richtigen Momenten durch gezielte Angebote herauszufordern. Hier ist es besonders wichtig, ihnen etwas zuzutrauen, sie aber gleichzeitig nicht zu überfordern. Da in meiner Gruppe über zehn verschiedene Erstsprachen gesprochen werden, ist es außerdem besonders wichtig, die Tätigkeiten der Kinder sprachlich auf Deutsch zu begleiten, wobei ich meine Angebote hier ergänzend zur Tätigkeit der Spachförderkraft sehe.

Gab es ein Aha-Erlebnis, das deine Perspektive auf deine Arbeit verändert hat?

Ein Aha-Erlebnis, das mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird, ereignete sich bei einem Ausflug. Die Kinder sollten in Zweierreihen hintereinander gehen, doch ein Kind „tanzte“ immer wieder aus der Reihe und ging damit gefährlich nah an der Autostraße. Ich wies das Kind mehrmals an, es solle dies nicht tun, aber blieb damit erfolglos. Als es dann jedoch für einige Schritte klappte, sagte ich zu dem Kind erfreut: „Genau so machst du es richtig!“ und es strahlte über beide Ohren. Von dem Moment ging das Kind mit allen anderen in einer Reihe und es fragte mich an diesem Tag noch viele Male „Mache ich es so richtig?“ Was ich daraus gelernt habe? Kinder möchten gesehen werden.

Wenn es uns Erwachsenen gelingt wahrzunehmen, was Kinder gut machen, anstatt nur das, was sie nicht gut machen, erzeugen wir nicht nur viel eher das gewünschte Verhalten, sondern können die Kinder damit auch noch ungemein stärken.

 

Was war bis jetzt die größte Herausforderung? Und wie bist du damit umgegangen?

Die größte Herausforderung für mich ist es, neben dieser intensiven Arbeit meine eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren. Oft bin ich abends unglaublich müde und die vielen Erlebnisse des Tages schwirren in meinem Kopf herum. Um jedoch am nächsten Tag wieder wirklich präsent sein zu können – meiner Meinung nach eine der wichtigsten Haltungen, um wirklich etwas für die Kinder bewirken zu können – ist es sehr wichtig sich abgrenzen zu können und qualitätsvolle Zeit nur mit sich selbst zu verbringen. Was mir hilft ist es, meine Beobachtungen und Gedanken abends aufzuschreiben.

Was erwartest du Dir von den nächsten 60 Tagen?

Für die nächsten 60 Tage nehme ich mir vor, pragmatischer an die Planung meiner Angebote heranzugehen. In den letzten Wochen habe ich mich oft überfordert gefühlt, weil es einfach unglaublich viele Themen, Interessen, Methoden, Materialien und nicht zu vergessen: Bedürfnisse der Kinder in meiner Gruppe gibt, so dass ich mich im Recherchieren und Reflektieren verloren habe ohne am Ende etwas konkretisiert zu haben.

 

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