Damit die Bildungsschere durch die Corona-Krise nicht noch weiter aufgeht, braucht es gerade jetzt herausragende Persönlichkeiten, die den Unterschied machen. Daher suchen wir weiterhin Fellows für den Jahrgang 2021. Wir haben den Bewerbungsprozess vollständig digitalisiert –
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Hier findet ihr Einblick in die Arbeit unserer Fellows und unserer Organisation und welche Auswirkungen die Krise auf die Situation unserer Kids hat.

Quarantine Stories

Herausforderungen nach der Quarantäne-Zeit im Klassenzimmer

Die Kinder nehmen nach achtwöchiger Quarantäne wieder wie gewohnt den Weg in die Schule. Es gibt aber viele Dinge, die nicht wie gewohnt sind, denn die letzten beiden Monaten waren für viele Kinder Zuhause alles andere als normal. Durch die Absenz steigt die Relevanz – Schule ist für Kinder ein Ort, der ihnen Struktur und Sozialisation gibt. Ein Ort, wo sie Kinder sein dürfen, sich entfalten und zeigen können – genau das, was für viele unsere Schüler*innen in letzter Zeit nicht mehr möglich war.

Damit es uns bewusster wird, dass Alltag nicht gleich Alltag ist, möchten wir zeigen, welche Herausforderungen Schüler*innen nach der Quarantäne-Zeit ins Klassenzimmer mitnehmen.

 

Recht auf Bildung – nicht nur für Buben

Meine Schülerin ist auf Deutsch nicht alphabetisiert und kann noch nicht gut lesen oder schreiben. Sie ist seit Anfang des Schuljahres bei mir in der Deutschförderklasse. Obwohl sie die motivierteste Schülerin in meiner Klasse ist und seit Schulanfang schon große Fortschritte gemacht hat, liegt sie trotzdem weit hinter den anderen Schüler*innen, die bereits lesen und schreiben können. Sowie auch ihr Bruder, der bereits gut Deutsch spricht, weil er im Sommer schon gefördert wurde. Meine Schülerin durfte keinen Deutschkurs im Sommer machen, weil sie ein Mädchen ist. Während der Schulschließung, konnte ich meine Schülerin nur mehr über ihren Bruder erreichen, da nur er ein Handy hat. Ob er die Aufgaben tatsächlich weiterleitete, ist unklar. Ohne Zugang zu einem Handy, konnte meine Schülerin die Aufgaben nicht erledigen. Mit Unterstützung eines Sozialarbeiters, habe ich der Familie klargemacht, dass es besonders in dieser Zeit unbedingt notwendig ist, dass auch meine Schülerin Zugang zu einem Handy bekommt. Da das Handy vom Bruder vor kurzem kaputt gegangen ist, wird nun er derjenige sein, der ein neues Smartphone bekommt. Meine Schülerin ist somit abhängig von ihrem größeren Bruder – er entscheidet wann und ob er ihr sein Handy borgt. So soll es natürlich nicht sein, denn jeder hat ein Recht auf Bildung und ein Recht gefördert zu werden – nicht nur Buben.

 

Keine Rückzugsmöglichkeiten und fehlende Unterstützung

Einer meiner Kids mit Fluchterfahrung wohnt mit sechs Geschwistern und seinen Eltern in einer Zwei-Zimmer Wohnung und hat niemanden in der Familie, der Unterstützung bieten kann, keinen Ort zum Lernen, keine Rückzugsmöglichkeit und keinen Raum, um für sich zu sein. Während den Zoom-Stunden war er im Bad/WC, da er anscheinend nur dort in Ruhe arbeiten konnte.

Er hat es dennoch so toll gemeistert und war sehr fleißig.

Verstanden