READY. SET. GO: Drei Perspektiven, eine Mission für Bildungsfairness
In der zwölfwöchige Sommerakademie trainieren die TFA Fellows dafür, ab Tag eins als inspirierende Pädagog:innen agieren zu können.
Bei der Sommerakademie 2025 haben wir Manuel, TFA READY Fellow (Kindergarten), Valerie, TFA SET Fellow (Volksschule) und Mierna, TFA GO Fellow in Oberösterreich (Mittelschule) zu ihrem Weg zu Teach For Austria und ihrer dahinterstehenden Motivation befragt.
Manuel Gerlitsch, TFA Fellow READY
Valerie Grabenwarter, TFA Fellow SET
Mierna Mahmud, TFA Fellow GO in OÖ
Zum Einstieg: Wie erlebst du die Stimmung und die Arbeit in der Sommerakademie?
Manuel (READY): „Die Sommerakademie ist unglaublich inspirierend. Man merkt jetzt, wie die Dinge ineinandergreifen – das gibt Sicherheit. Gleichzeitig ist es herausfordernd, weil sehr viele Inhalte in kurzer Zeit auf uns zukommen.“
Valerie (SET): „Inspirierend, herausfordernd und sehr energiegeladen. Wir überlegen gemeinsam Strategien, tauschen Materialien und Ideen. Und ich arbeite auch an mir selbst – dass ich daran glaube, dass ich das gut machen werde.“
Mierna (GO): „Sonne – weil so viele hier strahlen. Heilend – weil wir vieles aus der eigenen Schulzeit aufarbeiten. Und Reflexion – weil genau das im Mittelpunkt steht. Es ist sehr bereichernd und fast schon heilend, wieder in die Rolle von Schüler:innen zu schlüpfen.“
Was hast du vor dem Social Leadership Programm gemacht?
Manuel (READY): „Mein Weg war alles andere als gerade. Ich habe eine Kfz-Techniker-Lehre gemacht, bin dann in den kaufmännischen Bereich gewechselt und über Umwege in der Bank gelandet. Eine Sozialberaterin stellte mir die Frage: ‚Warum eigentlich nicht Kinder?"
Valerie (SET): „ Ich habe an der Uni Wien Anglistik studiert und war danach zwei Monate in Sri Lanka, wo ich an einer Schule unterrichtet habe – von Volksschüler:innen bis hin zu jungen Erwachsenen. Außerdem habe ich in der Jungschar viel mit Kindern gearbeitet. Dabei habe ich gemerkt, dass Bildungsungerechtigkeit real ist. Bei uns an der Uni hat sich Teach For Austria vorgestellt, und ein Studienkollege von mir, Nikola, ist mittlerweile Fellow in einer Mittelschule. Durch ihn habe ich den letzten Anstoß bekommen, mich zu bewerben."
Mierna (GO): „Ich habe Gesundheits-, Sozial- und Public Management an der FH Oberösterreich studiert. Nebenbei habe ich in der Kinder- und Jugendarbeit gearbeitet und in der Basisbildung unterrichtet – also mit Menschen, die ihren Pflichtschulabschluss nachholen. Außerdem war ich als Hortpädagogin tätig."
"Es ist sehr bereichernd und fast schon heilend, wieder in die Rolle von Schüler:innen zu schlüpfen.“
TFA Fellow Mierna Mahmud in der Mittelschule bei den Praxiswochen 2025
Und was hat dich dann zu Teach For Austria und deinem Track geführt?
Manuel (READY): Dieser Gedanke. den die Sozialberaterin angestoßen hat, ließ mich nicht mehr los. Bei meiner Recherche bin ich über ChatGPT auf Teach For Austria gestoßen – und das war mein Einstieg. Eigentlich wollte ich ursprünglich in die Mittelschule. Aber im Gespräch mit TFA wurde mir der Kindergarten sehr ans Herz gelegt. Der Impact ist dort oft noch größer, weil man Kinder ganz früh prägen kann. Diese Perspektive hat mir gefallen, und so habe ich mich für den Kindergarten entschieden. Heute bin ich sicher, dass es die richtige Wahl war."
Valerie (SET): „Bei Teach For Austria hat mich dieses ‚Day-One-Ready‘ hat mich überzeugt – dass ich ab September wirklich vorbereitet vor der Klasse stehen kann. Und für den Track weil mich Volksschulkinder einfach begeistern. Diese Lust aufs Lernen, diese Energie – sie strahlen so viel Neugier aus."
Mierna (GO): „Bei Teach For Austria werde ich jetzt genau in einem Stadtteil von Linz eingesetzt, aus dem viele dieser Jugendlichen kamen. Für mich ist es eine große Motivation, schon präventiv zu wirken, bevor Kinder den Anschluss verlieren."
Was bedeutet „Leadership“ für dich in deiner Rolle?
Manuel (READY): "Anfangs konnte ich mit „Leadership“ in Bezug auf Kinder wenig anfangen. Aus meinem früheren Berufsleben kenne ich Leadership als Führen und Managen von Teams. Jetzt habe ich verstanden, dass es im Kindergarten nicht nur um die Kinder geht, sondern auch um die Zusammenarbeit mit Kolleg:innen und Eltern. Social Leadership bedeutet für mich, in solchen Situationen sicher auftreten, Konflikte lösen und Verantwortung übernehmen zu können."
Valerie (SET): „ Leadership muss für mich nicht heißen, dass man sich sofort in den Vordergrund drängt. Es bedeutet auch, anderen die Möglichkeit zu geben, sichtbar zu werden – gerade den Kindern, die ruhiger sind. Ihnen möchte ich zeigen: „Du kannst das auch, du kannst Verantwortung übernehmen.“ Genau das ist mir ein Anliegen."
Mierna (GO): "Für mich heißt Leadership Verantwortung zu übernehmen – dafür, wie ich die 50 Minuten Unterricht gestalte. Ich entscheide, ob es ein Raum wird, in dem Kinder sich wohlfühlen und lernen können, oder ein angespannter Ort. Eine gute Lernatmosphäre zu schaffen, in der Kinder sich abgeholt fühlen, ist für mich der Kern von Leadership."
TFA Fellow Valerie Grabenwarter in der Volkschule bei den Praxiswochen 2025
"Gerade die (Kinder), die etwas ruhiger sind, sollen nach den zwei Jahren hoffentlich sagen können: „Ich trau mich auch.“ Dass sie ein Stück weit ihre eigenen Leader werden."
Welche Ziele hast du dir für deine Zeit als TFA Fellow gesetzt?
Manuel (READY): "Mir ist wichtig, dass die Kinder, die in meiner Zeit in die Schule kommen, keine Angst davor haben. Sie sollen sich sicher fühlen, Spaß am Lernen haben und mit Freude in die Schule starten. Das wäre für mich der größte Erfolg."
Valerie (SET): „ Wenn ich etwas zu sagen habe, möchte ich mich nicht zurückhalten. Früher habe ich mich manchmal nicht getraut, einfach aufzustehen und meine Meinung einzubringen. Das will ich lernen – für mich selbst, aber auch für die Kinder in meiner Klasse. Gerade die, die etwas ruhiger sind, sollen nach den zwei Jahren hoffentlich sagen können: „Ich trau mich auch.“ Dass sie ein Stück weit ihre eigenen Leader werden."
Mierna (GO): "Ich möchte noch stärker in den Austausch mit anderen Pädagog:innen kommen, um von ihrer Erfahrung zu lernen. Vor allem aber will ich meine Schüler:innen dabei unterstützen, Selbstvertrauen zu entwickeln und Freude am Lernen zu erleben."
– Mai 2026