Digital Storytelling von unten: Wie Franziska und ihre Schüler:innen mit ihren Ideen viral gingen

Franziska Haberler war TFA Fellow 2019. Heute ist sie Lehrerin, stellvertretende Schulleiterin und Initiatorin zahlreicher Bildungsprojekte. Im Interview erzählt sie, wie aus einer spontanen Idee ein virales Social-Media-Projekt mit Schüler:innen entstand, was sie aus ihrer Zeit als Fellow mitgenommen hat und warum Haltung, Resilienz und starke Netzwerke für sie entscheidend sind.

Liebe Franziska, Du warst TFA-Fellow 2019 und unterrichtest neben vielen anderen spannenden Projekten weiterhin als Lehrerin an der Barbara Prammer Schule. Du hast außerdem an Deiner Schule mit Deinen Schüler:innen und der Beratungsstelle Extremismus ein sehr erfolgreiches und virales TikTok Projekt initiiert. Wie genau ist das zu Stande gekommen und was waren Ziel und Resultate davon? 

 

Ja, das stimmt. Fabian (Reicher), rief mich an, als ich gerade auf der Autobahn nach Bosnien war,  und fragte mich, ob wir nicht im Rahmen des von ihm initiierten RespecTok an meiner Schule ein Videoprojekt durchführen wollten. Ich sagte natürlich begeistert zu; nicht nur kannte ich Fabian schon aus den Cop&Che Workshops und von verschiedenen Veranstaltungen, sondern ich habe auch sein erstes Buch gelesen und war insgeheim ein großer Fan. Wir besprachen das Komzept und waren uns einig, dass dies nur mit voller Transparenz, Partizipation und dem Prinzip der Freiwilligkeit gelingen konnte. Hinzu kamen phantastische Partner:innen, wie sunaFilms, die für die professionellen Foto- und Videoaufnahmen zuständig waren, Muhammet Ali Baş, ein Sprachkünstler, der den Kindern beim Skripten geholfen hat und die Unterstützung von Ahmed Mitaev (Che) sowie Ebru Sokolova (Schwester Ebra), die uns als Social Media Expert:innen ebenfalls zur Seite standen. Mit dem Team der Beratungsstelle extremismus, Fabian und Eşim, haben wir dann 50 Kids zusammengetrommelt - ich habe einfach in allen Klassen gefragt, wer Lust hätte, und dann haben wir zwei Vormittage geredet, geplant, gedreht und schließlich diese großartigen Ergebnisse erzielt. 

Wir waren selbst ganz überrascht davon, wie toll die Ideen der Kinder waren, wie gut die Videos und vor allem von unserer Reichweite. Das erfolgreichste Video hat über 20k Likes und 750k Aufrufe - und das nur auf Instagram. Auf Tiktok kam ein anderes Video  mit 500k Aufrufen und 19k Likes ähnlich gut an. Das motiviert natürlich auch die Kinder, ihre Stimme zu erheben und sich selbst auf die Bühne zu stellen. Dies war das Ziel des Projektes: Digital Storytelling von unten - dazu haben Fabian, Christopher und Eşim gerade übrigens ein weiteres tolles Buch veröffentlicht. 

Link zu den Videos auf YouTube: https://www.youtube.com/playlist?list=PLcVqFLJopnyapPPhSdo0AEUr8QoMJfXTr

Insta: https://www.instagram.com/barbaraprammerschule/

TikTok: https://www.tiktok.com/search?q=beratungsstelle%20bex&t=1763381551907

 

Danke für die spannenden Einblicke und gratuliere zu diesen großartigen Erfolgen! Wir haben noch weitere Fragen an dich zu deiner Zeit als Fellow:

 

Wo hast Du damals das erste Mal von Teach For Austria gehört und warum hast Du Dich damals entschieden, Dich für das zweijährige Social Leadership Programm von Teach For Austria zu bewerben?

 

Ich bin gerade von meiner vierjährigen Weltreise mit dem Segelboot und den Kindern zurückgekommen und habe in Thailand gelebt. Dann musste ich mich natürlich fragen: Was jetzt? Und da ich der Ansicht bin, dass vier Jahre isoliert von Welt und Gesellschaft auf den Weltmeeren doch auch recht egoistisch ist, wollte ich mich gerne wieder mehr einbringen und etwas zurückgeben. 

Zur Person

Franziska hat Anglistik, Deutsch als Fremd-/Zweitsprache und Texttechnologie studiert und hat vor ihrer Fellowzeit im Bereich des Zweitspracherwerbs in verschiedenen Ländern und Institutionen gearbeitet. 

"Wir waren selbst ganz überrascht davon, wie toll die Ideen der Kinder waren, wie gut die Videos und vor allem von unserer Reichweite. Das erfolgreichste Video hat über 20k Likes und 750k Aufrufe - und das nur auf Instagram."

Franziska Haberler, TFA Alumna

Du warst dann TFA-Fellow in der Mittelschule. Was waren dort Deine größten Herausforderungen und was hast Du dabei gelernt?

 

Ich fand das gar nicht so herausfordernd, wie es oft dargestellt wird. Ja, es ist oft stressig und anstrengend und die Arbeit hört nie auf, aber man macht etwas Sinnvolles, die Kinder sind meist sehr cool und man bekommt Einblicke in viele Lebensrealitäten, die man sonst vielleicht nie kennengelernt hätte. Ich empfinde das als große Bereicherung, dass ich mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten darf. 

Worauf warst Du als Lehrkraft besonders stolz? Erzähle uns gerne Erfolgsgeschichten von Deinen Schüler:innen.

 

Mein komplexester Fall war ein krimineller Schüler mit Gefängniserfahrung, der zu alt für meine Klasse wurde und sich dann oft recht aggressiv verhalten hat. Ihn habe ich - mit Walter Embergers Hilfe - an eine Firma vermitteln können, in der er auch ohne Schulabschluss eine Ausbildung machen durfte. Diese hat er mit Auszeichnung und in der Regelzeit! geschafft, und darauf bin ich sehr stolz. Selbst unsere Schulsozialarbeiterin war skeptisch… Bis heute haben wir häufig Kontakt und ich bin oft bei der Familie eingeladen. 

 

Was genau machst Du jetzt beruflich? 

 

Ich bin immer noch Lehrerin und auch stellvertretende Schulleitung. Ich halte Lehrveranstaltungen im Bereich “Deutsch in der Schule” und bin immer wieder auf Podien eingeladen. Ich habe eine weitere Masterarbeit im Bereich KI im Englischunterricht geschrieben und befasse mich viel mit den Möglichkeiten und Risiken von KI. Ich bin beim Schulgschichtn-Redaktionsteam und Autorin bei Lörn. Zudem darf ich immer wieder Artikel schreiben und tolle Projekte umsetzen. 

Ich kümmere mich außerdem um meine vier Kinder und vier Pferde. Auch in einer Islandpferdes-Zeitschrift habe ich eine regelmäßige Kolumne. 

 

Eine Person in schwarzem T-Shirt steht mit Händen hinter dem Rücken in einem Büro, während eine weitere Person am Laptop arbeitet.

"Ich empfinde das als große Bereicherung, dass ich mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten darf."

Franziska Haberler, TFA Alumna

Wärst Du denkst Du ohne Teach For Austria denselben Weg gegangen, den Du jetzt gegangen bist?

 

Nein. Als Mutter von vier Kindern, die fast 10 Jahre ihres Lebens nur wenig oder Teilzeit gearbeitet hat und anschließend vier Jahre völlig von der realen (Berufs-) Welt verschwunden war, war der Wiedereinstieg gar nicht so einfach. Wenn TFA mich nicht genommen hätte, weiß ich gar nicht, ob ich nicht vielleicht einfach in Thailand geblieben wäre. Es gibt tatsächlich oft Vorurteile gegenüber Frauen mit vielen Kindern, und man hört immer wieder: “Du kannst nicht beides haben. Du musst dich entscheiden!” Vor allem im akademischen Kontext bin ich oft auf viel Widerstand gestoßen.

Inwiefern profitierst Du von dem Social Leadership Programm in Deinem heutigen beruflichen Alltag?

 

Da ich als stellvertretende Leitung ja auch eine gewisse “Leader” Rolle einnehme, helfen die Tools und Tipps aus den pluralen Veranstaltungen, die ich auch heute noch regelmäßig besuche, sehr. Besonders “Positive Leadership” finde ich beeindruckend effizient. Und ganz ehrlich? Das Netzwerk ist vermutlich das beste an dem Programm. So viele tolle Menschen, so kurze Wege, um wen zu finden, der relevante Informationen oder Kontakte hat - die meisten sind kooperativ und respektvoll und am Ende profitieren vor allem die Schüler:innen und Schüler davon, finde ich. 

Was würdest Du einer Person raten, die gerade mit dem Gedanken spielt, zwei Jahre das Social Leadership Programm von Teach For Austria zu machen?

 

Alles steht und fällt mit deiner Resilienz und deiner Haltung. Ausgeprägtes Fachwissen und -begeisterung sind ebenfalls ein absolutes Muss für den Beruf. 

– August 2026

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