Leadership mit Herz, Klarheit und Kompetenz: TFA Alumna Marwa El-Roumy im Gespräch
Marwa El-Roumy war Teach For Austria Fellow 2019. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Weg vor und nach Teach For Austria, ihrem größten Herausforderungen als TFA Fellow und der Bedeutung von empathischer und strukturierter Führung.
Liebe Marwa, Du warst TFA-Fellow 2019. Wo hast Du das erste Mal von Teach For Austria gehört und warum hast Du Dich damals entschieden, Dich für das zweijährige Social Leadership Programm (früher “Fellowprogramm”) von Teach For Austria zu bewerben?
Das war 2019 kurz vor meinem Studienabschluss, als ich gerade dabei war zu überlegen, ob ich gleich einen Master anhänge oder in welche Arbeitsrichtung ich gehe. Mein Bruder hat mich auf dieses Programm aufmerksam gemacht und es hat mich gleich gecatcht und sich nach einer Herausforderung angehört. Ich wusste damals noch nicht, welchen Einfluss das Programm auf meinen weiteren Bildungs-/Berufsweg haben wird.
Du warst dann TFA-Fellow in der Mittelschule. Was waren dort Deine größten Herausforderungen und was hast Du dabei gelernt?
So wie es vielen JunglehrerInnen geht, habe ich mich anfangs ins kalte Wasser geschmissen gefühlt. Ich glaub die größte Herausforderung lag darin den Schulalltag mit all seinen Aufgaben und das, was sich anfangs noch wie eine Reizüberflutung anfühlte zu meistern. Mein größtes Learning war es Sachen langsam anzugehen, zuerst zu beobachten, zu verstehen und dann zu handeln. Das war eine Sache, die ich aus dem Leadership Programm mitgenommen habe.
Das Classroom-Management war Anfangs, gerade wegen meines jungen Alters, ebenfalls eine Herausforderung. Es braucht die richtige Dosierung von Konsequenz und Humor um eine gute Beziehung zu den Schüler:innen aufzubauen. Ich habe gelernt, dass Schüler:innen sehr genau erkennen, wann Lehrer:innen ein wahres Interesse an sie haben und wann nicht und dass sich die Authentizität früher oder später ziemlich sicher für die Beziehung zu den Schüler:innen auszahlt.
Zur Person
Marwa El-Roumy hat Soziologie an der Universität Wien studiert und ist 2019 als TFA-Fellow in die Schule eingestiegen. Nach einer sechsjährigen Lehrtätigkeit ist sie heute Standortleiterin bei der Vienna Hobby Lobby und arbeitet an der Universität Wien an diversen Forschungsprojekten.
"Mein größtes Learning war es Sachen langsam anzugehen, zuerst zu beobachten, zu verstehen und dann zu handeln."
Was genau hast Du vor dem Programm studiert (und beruflich gemacht) und welche Fächer hast Du an der Mittelschule unterrichtet? Wie hat Dich Dein Studium- (und Arbeits-Background) als Fellow in der Mittelschule geprägt?
Ich habe vor meinem Schuleinsatz Soziologie an der Universität Wien studiert und den Master parallel zu meiner Lehrtätigkeit abgeschlossen. In der Mittelschule habe ich hauptsächlich Mathematik unterrichtet. Das lag nahe, da sich ein guter Teil meines Studiums mit Statistik beschäftigt.
Mein Studium hat mich stark im analytischen Denken sowie in einer interpretativen, subjektbezogenen Herangehensweise geprägt. Diese Kombination hat sich positiv auf meine Lehrtätigkeit ausgewirkt: Ich konnte dadurch eine ausgeprägte Sensibilität für meine Schüler:innen sowie für ihren Lebenskontext und Hintergrund entwickeln und in meinem Unterricht einbringen.
Worauf warst Du als Lehrkraft besonders stolz? Erzähle uns gerne Erfolgsgeschichten von Deinen Schüler:innen.
Puh, da gibt es wirklich sehr viele. Vieles macht sich in der 4. Klasse bemerkbar, wenn ich sehe, dass sich die jahrelange Arbeit mit den Kids auszahlt und viele eine gute Vorstellung davon haben, was sie nach der Mittelschule machen werden. Wenn mir Ex-Schüler schreiben, dass mein Unterricht eine sehr gute Vorbereitung für ihren weiteren Bildungsweg war, bin ich sehr stolz.
Aber die schönsten Erfolgsgeschichten sind auf zwischenmenschlicher Ebene, wenn meine Schülerin, die lange mit geringem Selbstwertgefühl zu kämpfen hat, selbstbewusster wird oder wenn ich einen Schüler, der ausgeschlossen wird, dabei helfen kann neue Freundschaften zu knüpfen und ihn dadurch blühen sehe. Stolz war ich besonders, als eine Ex-Schülerin mir bei einem Besuch sagte: ‚Ich habe in der neuen Schule jetzt 7 Freundinnen. Danke, dass Sie immer daran geglaubt haben, dass ich wertvoll bin und es schaffen werde, neue Freunde zu machen.‘
Was genau machst Du jetzt beruflich?
Ich bin wissenschaftliche Projektmitarbeiterin an der Universität Wien und arbeite momentan als Standortleiterin bei der Vienna Hobby Lobby.
Wärst Du denkst Du ohne Teach For Austria denselben Weg gegangen, den Du jetzt gegangen bist?
Definitiv nicht. Ich habe durch das Leadership Programm und die Lehrtätigkeit meine Leidenschaft für den Bildungsbereich entdeckt und denke, dass mich dieser Bereich noch lange auf meinem Karriereweg begleiten wird. Darüber hinaus habe ich durch TFA ein großes Netzwerk an bildungsschaffende Personen und Organisationen kennengelernt.
Durch das Social Leadership Programm bin ich deutlich selbstbewusster darin geworden, Gruppen zu leiten und mit Herz, Klarheit und Kompetenz zu führen. Ich habe gelernt, mein eigenes Handeln bewusster und wirkungsvoller einzusetzen. Die Kommunikations- und Reflexionsmethoden, die ich dort kennengelernt habe, helfen mir heute noch in meinem Berufsalltag. Und habe ich ein tieferes Verständnis dafür entwickelt, wie ich andere motivieren und in Veränderungsprozesse einbinden kann.
"Durch das Social Leadership Programm bin ich deutlich selbstbewusster darin geworden, Gruppen zu leiten und mit Herz, Klarheit und Kompetenz zu führen."
Was würdest Du einer Person raten, die gerade mit dem Gedanken spielt, zwei Jahre das Social Leadership Programm von Teach For Austria zu machen?
Just do it. Du hast nichts zu verlieren, aber so viel dazu zu gewinnen. Man lern so viel über sich selbst und bekommt eine wertvolle Chance junge Menschen durch eine wichtige Lebensphase zu begleiten.
Und noch als Abschluss: Was bedeutet Leadership persönlich für Dich?
Leadership ist Verantwortung für das eigene Handeln vor allem dann, wenn es direkten Einfluss auf andere Menschen hat. Es ist der verantwortungsbewusste Einsatz des eigenen Handelns für das Wohl von sich und vor allem den anderen Menschen. Leadership heißt für mich, andere Menschen mit Klarheit, Empathie und Respekt zu begleiten. Es geht darum, Entscheidungen nicht nur nach Effizienz, sondern nach Fairness, Integrität und Menschlichkeit zu treffen.
– August 2026