Vom Kindergarten in die Volksschule: Übergänge erfolgreich begleiten
Für viele Kinder ist der erste Schultag ein großer Schritt. Sie kommen in ein neues Gebäude, treffen neue Bezugspersonen und müssen sich in einem ungewohnten Ablauf zurechtfinden. Was genau auf sie zukommt, ist oft schwer vorstellbar. Genau hier setzt ein Projekt von TFA Fellow Veronika Cook an. Im Rahmen des Pilotprojekts „Standortentwicklung 2+1“ hat sie in einem Kinderfreunde-Kindergarten in Wien-Favoriten ein so genanntes Transitionsprogramm aufgebaut. Ziel ist es, Kinder im letzten Kindergartenjahr auf den Übergang in die Volksschule vorzubereiten.
Damit der Start in die Volksschule gut gelingt
Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule bringt Veränderungen mit sich. Der Tagesablauf ist klarer strukturiert, die Anforderungen sind anders und die Kinder müssen sich schneller orientieren.
Nicht alle starten mit denselben Voraussetzungen. Manche Kinder kennen schulische Abläufe bereits, wenn sie zum Beispiel ältere Geschwister haben oder mehr Auseinandersetzung zuhause erfolgt. Andere haben wenig Berührungspunkte damit. Auch sprachliche Unsicherheiten oder Fragen auf Seiten der Eltern spielen eine Rolle.
Der Übergang wird dadurch für einige Kinder zu einer Phase, in der sie sich erst zurechtfinden müssen, während andere schon sicher starten.
Im Rahmen des Pilotprojekts „Standortentwicklung 2+1“ unterstützt Teach For Austria Kindergärten dabei, ihre pädagogische Arbeit standortübergreifend weiterzuentwickeln. Fellows arbeiten dabei über mehrere Jahre an einem Standort und setzen gezielte Projekte um, etwa in den Bereichen Leseförderung, Elternarbeit oder Übergang in die Volksschule. Ziel ist es, wirksame Strukturen aufzubauen, die über die Einsatzzeit einzelner Fellows hinaus bestehen bleiben und die Bildungsarbeit am Standort nachhaltig stärken.
Im September 2025 startete TFA Fellow Vroni mit ihrem Projekt
Schlaufuchskalender: Vom Kindergarten in die Schule
September 2025: Erzählbild Schule und Kamishibai (Erzähltheater) zur Schule - erste Thematisierung Schule
Ein Ort, der nicht mehr fremd ist
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Zusammenarbeit mit einer nahegelegenen Volksschule. Die Kindergartenkinder besuchen regelmäßig eine erste Klasse und nehmen dort an einfachen Unterrichtssituationen teil.
Auf einer Entdeckertour durchs Schulgebäude zeigen die Schüler:innen den Kindergartenkindern das Klassenzimmer und andere Räumlichkeiten. Bei weiteren Besuchen lösen sie gemeinsam Aufgaben, die Schüler:innen lesen Geschichten vor und die Kindergartenkinder lernen die Regeln kennen, die im Schulalltag gelten.
Die Volksschulkinder übernehmen dabei eine aktive Rolle. Sie begleiten die Kindergartenkinder, erklären Abläufe und zeigen ihnen, wie ein Schultag aussieht.
Schritt für Schritt werden die Kinder mit den Realitäten des Schulalltags vertraut gemacht. Dabei gehen Berührungsängste verloren und Schule wird zu etwas Konkretem.
„Mein größtes Ziel mit dem Projekt ist, dass die Kinder eine konkrete, positiv besetzte Vorstellung von der Schule entwickeln und mit Freude, Neugier und Selbstvertrauen in diesen neuen Lebensabschnitt starten."
Was Kinder brauchen, bevor sie Schulkinder sind
Zusätzlich zu den Schulbesuchen werden die Kinder auch im Kindergarten gezielt vorbereitet. Veronika Cook arbeitet mit ihnen an grundlegenden Kompetenzen, die im Schulalltag wichtig sind.
Dazu gehören sprachliche Fähigkeiten, erste mathematische Inhalte und das Verständnis für tägliche Abläufe. Gleichzeitig geht es darum, Selbstständigkeit zu fördern und den Kindern Sicherheit im Umgang mit neuen Situationen zu geben.
Ein zentraler Aspekt ist die Entwicklung eines positiven Selbstbildes und einer gefestigten Identität. Derzeit werden in der Einrichtung 29 Kinder im letzten Kindergartenjahr begleitet. Schon zu Beginn des Kindergartenjahres wurde thematisiert, welche Veränderungen bevorstehen. In einer demokratischen Abstimmung entschieden sich die Kinder für einen gemeinsamen Gruppennamen und erhielten ihre eigenen Materialien - Federpenal, Stempelpass, Mappe, Malunterlage - für die sie Verantwortung tragen. Ein großer Kalender visualisiert, wie die Kinder dem Übertritt in die Volksschule jeden Monat einen Schritt näher kommen.
Stolz zeigen die Schulkinder den Kindergartenkindern ihren Schulalltag
Schulkind zeigt Kindergartenkind seine Schultasche beim 2. Schulbesuch
Stempelpass der Stationen beim 2. Schulbesuch
„Ich konnte beobachten, wie stolz die Kinder jedes Mal waren, wenn wir in der Schule ankamen. Sie freuten sich, ihre neuen Freunde und Vorbilder wiederzusehen."
Sicherheit für Kinder beginnt auch bei den Eltern
Auch für Eltern ist das letzten Kindergartenjahr ihres Kindes etwas Besonderes und bringt viele Veränderungen. Sie stehen vor neuen Fragen und Entscheidungen, und viele wünschen sich, begleitet zu werden. Sprachbarrieren und fehlende Orientierung im österreichischen Schulsystem verstärken diese Unsicherheit.
Das Projekt greift diese Fragen auf. Durch Austauschformate und Informationsangebote werden Eltern eingebunden und erhalten Orientierung. Die Direktorin der Volksschule wurde zu einem Elternabend eingeladen und informierte die Eltern über den Prozess der Schuleinschreibung und die Erwartungen in der Volksschule.In einem monatlichen Newsletter informiert Veronika Cook die Eltern über die Bildungsarbeit im Kindergarten informiert und erhalten Einblicke in den Alltag.
Das trägt dazu bei, Unsicherheiten abzubauen und den Übergang auch aus Sicht der Familien besser zu begleiten.
Eine Idee aus der Praxis wird zum Standortprojekt
Das Projekt wurde von Veronika Cook initiiert und gemeinsam mit Set-Fellow Bernadette Hiter schrittweise aufgebaut. Ihre Arbeit zeigt, wie aus konkreten Beobachtungen im Alltag gezielte Maßnahmen entstehen können.
Teach For Austria Fellows arbeiten an Bildungsstandorten mit unterschiedlichen Herausforderungen. Sie entwickeln Projekte, die direkt im Alltag ansetzen und darauf abzielen, Bildungswege zu verbessern.
Im Rahmen des Pilotprojekts erhält Cook Unterstützung durch das Netzwerk von Teach For Austria. Gleichzeitig ist es ein zentrales Ziel, dass die aufgebauten Strukturen langfristig bestehen bleiben.
Was dieses Projekt über faire Bildungschancen zeigt
Teach For Austria arbeitet daran, Kindern faire Chancen auf hochwertige Bildung zu ermöglichen. Das bedeutet auch, Übergänge im Bildungssystem bewusster zu gestalten.
Das Projekt von Veronika Cook zeigt, wie das konkret aussehen kann. Es macht sichtbar, dass der Schuleinstieg nicht für alle Kinder gleich verläuft und dass gezielte Unterstützung einen Unterschied machen kann.
Gleichzeitig wird deutlich, welches Potenzial in einer engeren Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule liegt.
Wenn Kinder früh erleben, wie Schule funktioniert, starten sie mit mehr Orientierung. Das kann ihren weiteren Bildungsweg positiv beeinflussen.
– Mai 2026