Was Bildung stark macht: Adib Reyhani über prägende Fellow-Erfahrungen und gemeinsame Verantwortung

Adib Reyhani war  2012 im ersten TFA Fellowjahrgang an einer Wiener Mittelschule. Heute arbeitet er mit seinem Unternehmen The Things We Learn daran, Bildung über das Klassenzimmer hinaus zu stärken und lokale Netzwerke rund um Schulen aufzubauen. 

Im Gespräch erzählt er, was ihn damals zu Teach For Austria gebracht hat, welche Erfahrungen ihn als TFA Fellow besonders geprägt haben und warum Bildungsgerechtigkeit nur gelingen kann, wenn eine ganze Gemeinschaft Verantwortung übernimmt.

Adib Reyhani, TFA Alumnus

TFA: Lieber Adib, Du warst TFA Fellow 2012.  Warum hast Du Dich damals entschieden, Dich für das zweijährige Social Leadership Programm von Teach For Austria zu bewerben?

 

Eine gute Freundin, Julia Herrnböck, hatte gerade den TFA Gründer Walter Emberger interviewt. Wir sind uns zufällig in der Stadt begegnet, sie hat mich ermutigt, mich zu bewerben. Damals arbeitete ich in der Privatwirtschaft und war zunehmend frustriert. Ich hatte das Gefühl, dass dort viel Energie bewegt wird, aber wenig davon in etwas Sinnvolles fließt. Mir fehlte eine klare Verbindung zwischen meiner Arbeit und der Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. 
 

Du warst dann TFA Fellow in der Mittelschule. Was waren dort Deine größten Herausforderungen und was hast Du dabei gelernt?
 

Neues anzustoßen fiel mir leicht: Projekte aufbauen, innovativen Unterricht gestalten, Begeisterung auslösen. Wenn Besuch im Unterricht war, hat man diese Energie auch gesehen – da lief es oft großartig. Die wahre Herausforderung begann, wenn niemand zuschaute. Dann zählt, ob man die Qualität halten kann, ob man Classroom-Management auch an einem verregneten Dienstag in der sechsten Stunde konsequent durchzieht. Ich habe schnell verstanden, dass gute Ideen nur der Anfang sind. Wirkung entsteht dort, wo Routinen halten, wo man jeden Tag wieder neu investiert - auch wenn es mühsam ist.
 

Worauf warst Du als Lehrkraft besonders stolz?

 

Ich bin stolz auf einzelne Beziehungen, die gelungen sind, wenn Schüler:innen gespürt haben, dass sie voller verborgener Talente sind und wenn ich mit meinen Kolleg:innen stabile Arbeitsbeziehungen aufbauen konnte. In der Schule hängen Lernerfolge oft nicht an den Inhalten, sondern an der Frage, ob sich ein junger Mensch überhaupt gesehen und ernst genommen fühlt. 

Und genauso entscheidend war das Miteinander im Team. In einem Umfeld, das permanent unter Druck steht, ist Vertrauen keine Selbstverständlichkeit. Ich habe viel daran gesetzt Kolleg:innen auf Augenhöhe zu begegnen und von ihren Erfahrung zu lernen.

Zur Person

Adib Reyhani hat Volkswirtschaft studiert, war TFA Fellow 2012–2014 an einer Wiener Mittelschule und ist heute Geschäftsführer von The Things We Learn in Wien. Er arbeitet an Bildungsinnovation, Community-Engagement und der Entwicklung chancengerechter Lernumgebungen.

„Wirkung entsteht dort, wo Routinen halten, wo man jeden Tag wieder neu investiert - auch wenn es mühsam ist."

Adib Reyhani, TFA Alumnus und Geschäftsführer von The Things We Learn
Referent mit Brille und Bart, brauner Cardigan, hält Glas und gestikuliert mit erhobenem Zeigefinger vor Publikum im Besprechungsraum.

Adib Reyhani, TFA Alumnus

Was machst du heute beruflich – und wie hängt das mit deiner Zeit bei Teach For Austria zusammen?

 

Das österreichische Bildungssystem steht vor Herausforderungen, die sich nicht allein aus der Schule heraus lösen lassen. Wenn es um Bildungsgerechtigkeit geht, braucht es eine gemeinsame Antwort der ganzen Gesellschaft. Kinder wachsen nicht nur im Klassenzimmer auf. Ihr Lernen hängt stark davon ab, welche Unterstützung, Vorbilder und Möglichkeiten sie in ihrem Alltag erleben.

Mit The Things We Learn begleiten wir Unternehmen, NGOs und öffentliche Einrichtungen dabei, sinnvolle Bildungsprojekte zu entwickeln und umzusetzen. Wir verbinden Schulen mit ihrem Umfeld, damit Lernen nicht an der Klassenzimmertür endet. Unser Fokus liegt darauf, Verantwortung für Bildung dort zu verankern, wo Kinder leben: in ihrer Nachbarschaft. Schulen sollen nicht für sich allein stehen, sondern eingebettet sein in ein lokales Ökosystem, in dem Familien, Vereine, Jugendarbeit, Kulturinitiativen und Unternehmen zusammenwirken.

Wir unterstützen Partner dabei, aus guten Absichten wirkungsvolle Initiativen zu machen. Wir richten die Arbeit klar auf Wirkung für Kinder und ihre Begleitpersonen aus und helfen, Prioritäten zu setzen, Ressourcen zielgerichtet einzusetzen und verlässliche Strukturen aufzubauen, die bleiben. Wirkung entsteht, wenn Menschen vor Ort selbst Verantwortung übernehmen und spüren, dass sie gemeinsam etwas bewegen.

Wärst du denkst du ohne Teach For Austria den selben Weg gegangen, den du danach gegangen bist?
 

Nein. Die Gründung von The Things We Learn wäre ohne TFA nicht denkbar gewesen. Ich habe viel persönliche und institutionelle Unterstützung bekommen. Als TFA Alumnus wurde ich von Beginn an ernst genommen, viele Türen haben sich geöffnet, die sonst verschlossen geblieben wären. 

 

Wie nutzt Du das Netzwerk von Teach For Austria? Was ist das Besondere an der TFA Community und der internationalen Teach For All Community?
 

Mit der Organisation und mit Alumni, die heute überall in der Bildungslandschaft wirken. Vertrauen entsteht schnell, selbst wenn man sich erst kurz kennt, weil ein gemeinsamer Hintergrund da ist. Unsere Arbeit hängt stark davon ab, mit wem wir zusammenarbeiten können. Alle unsere Projekte basieren auf Kooperation und auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Wir brauchen Partner, die vor Ort verankert sind, die die Kinder und Familien kennen und wissen, was sie wirklich brauchen. Gleichzeitig geben wir alles dafür, die bestehenden Initiativen anderer Organisationen zu verstärken, statt parallel eigene Strukturen aufzubauen.

Person mit Brille und Bart sitzt an blauer Wand, schaut nach unten; trägt blaues Hemd und dunkle Jacke.

Adib Reyhani, TFA Alumnus

„Die Gründung von The Things We Learn wäre ohne TFA nicht denkbar gewesen."

Adib Reyhani, TFA Alumnus und Geschäftsführer von The Things We Learn

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

 

TTWL ist nach über zehn Jahren ein etabliertes, kleines Unternehmen. Wir wollen unsere Basis weiter stabilisieren und noch stärker verstehen, wie auf Nachbarschaftsebene ganze Bevölkerungsgruppen Verantwortung für Bildung übernehmen können – im Sinn von: It takes a village to raise a child.

Was würdest Du einer Person raten, die gerade mit dem Gedanken spielt, zwei Jahre das Social Leadership Programm von Teach For Austria zu machen?
 

Tu es und stelle die Kinder in den Vordergrund: “Der beste Weg, sich selbst zu finden, ist, sich im Dienst an anderen zu verlieren.“

– März 2026

Werde TFA Fellow