Lesen ist für alle da: TFA Fellow Simone eröffnet eine Bibliothek im Kindergarten
Dass der Zugang zu Büchern und Lesespaß nicht für jedes Kind selbstverständlich ist, merkt TFA Fellow Simone Eutebach immer wieder in ihrem Kindergartenalltag. Manche Kinder erzählen begeistert von Gute-Nacht-Geschichten, andere kennen Bücher fast nur aus den Besuchen in die öffentliche Bibliothek. Im dritten Jahr an ihrem Standort hat Simone genau hier angesetzt. Aus diesen einprägsamen Eindrücken heraus entstand ihre Idee einer eigenen Bibliothek im Kindergarten.
Der Bibliotheksaufbau von Simone Eutebach, TFA READY Fellow, ist Teil des Teach For Austria Pilotprojekts „2+1 Standortentwicklung“.
Liebe Simone, was war der Moment, an dem dir klar wurde: Hier muss sich etwas verändern?
Wenn wir in den letzten zwei Jahren einen Ausflug in die öffentliche Bibliothek unternommen haben, dann war es für viele Kinder ihr erster Besuch dort. Wenn ich mit Kindern auf unserem blauen Gruppensofa Geschichten lese und frage, ob zuhause auch gelesen wird, dann antworten manche Kinder, dass sie kein Buch zuhause haben. Diese Aussagen machen mich als Bücherfan einerseits traurig und als Literaturpädagogin denke ich, wie soll es bei so wenig Buchkontakten dann mit dem Lesenlernen in der Schule reibungslos klappen? Da fehlt für die Kinder ein Fundament, auf dem die Schule später aufbauen kann.
Was ging dir durch den Kopf, als du beschlossen hast, eine eigene Bibliothek im Kindergarten aufzubauen?
Vor allem Kindern und Familien einen niederschwelligen Zugang zu Büchern zu ermöglichen und somit Gelegenheit zum Bucherlebnis zu schaffen, Stichwort Family Literacy, das ist mein Anliegen mit der hauseigenen Ausleihbibliothek. Der Abgleich von Ziel und Machbarkeit stand am Anfang, also Überlegungen, was es brauchen würde, um eine substanzielle kleine, feine Ausleihbibliothek auf die Beine zu stellen und die Einschätzung, ob ich dies in einigen Monaten realisieren könnte.
Mehr allgemeine Informationen zum Pilotprojekt "2+1 Standortentwicklung" gibt es hier: Standortentwicklung im Kindergarten
Das dritte Jahr als TFA Ready Fellow verbindet die pädagogische Arbeit mit eigenverantwortlicher Standortentwicklung. Fellows analysieren standortspezifischen Bedarf, definieren Entwicklungsziele und setzen projektbasierte Maßnahmen mit mittel- bis langfristiger Wirkung um.
TFA Ready Fellow Simone eröffnet in ihrem Kindergartenstandort eine Bibliothek
Wenn ich mit Kindern auf unserem blauen Gruppensofa Geschichten lese und frage, ob zuhause auch gelesen wird, dann antworten manche Kinder, dass sie kein Buch zuhause haben. [...] Da fehlt für die Kinder ein Fundament, auf dem die Schule später aufbauen kann.
Was hat sich seitdem für die Kinder verändert?
Mit der Bibliothek sind wir ja gerade erst gestartet, das muss sich dann noch einspielen und seine Wirkung entfalten. Seit ich am Standort bin, versorge ich unsere Kindergartengruppe regelmäßig mit neuer Literatur und lege auch Wert auf einen achtsamen Umgang mit den Büchern. Das Angebot in unseren Regalen wechselt regelmäßig und immer mehr und immer öfter greifen Kinder alleine oder zu zweit zu Büchern, um sie anzuschauen und fordern uns Erwachsene zum Vorlesen auf.
Ich leihe den Kindern schon länger Bücher aus und sehe, dass es ihnen taugt und dass sie Bezugspersonen finden, die mit ihnen die Geschichten betrachten und lesen, sei es ein Elternteil oder auch ein Geschwisterkind. Die dadurch entstehende Nähe führt zu einer positiven Wahrnehmung des Buches, ganz wichtig für einen gelungenen Lesestart und den Zugang zur Welt der Bücher.
Die neu eröffnete Bibliothek im Kindergarten lädt Kinder und Eltern dazu ein, gemeinsam Bücher zu entdecken.
"Immer öfter greifen Kinder alleine oder zu zweit zu Büchern, um sie anzuschauen und fordern uns Erwachsene zum Vorlesen auf."
Was bedeutet es für dich, Verantwortung für so ein Projekt zu übernehmen?
Für das Projekt war es wichtig, alles im Blick zu haben und das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Planung der Bildungsangebote im Kindergarten ist eher kurzfristig, weil die aktuellen Interessen bei den Kindern stets berücksichtigt werden sollen, bei dem Aufbau einer Bibliothek müssen aber ab der Konzeptionsphase unterschiedliche Aspekte parallel bearbeitet und umgesetzt werden. Ich kann viele (kleine) Schritte bewältigen, aber manchmal ist die nächste Stufe so groß, dass ich überlegen muss, welche Stakeholder ich mit ins Boot holen könnte. Und dann wird es zu einem Teamerfolg und einem gemeinsamen Projekt am Standort.
Zum Ausklang: Hast du konkrete Wünsche für die Zukunft der Bibliothek?
In der langfristigen Strategie wird es in den kommenden Monaten wichtig werden, wie das Projekt gut weiterleben kann und nicht einschläft, sobald ich die Einrichtung verlasse. Deshalb werde ich mich einerseits darum kümmern, dass die Kinder so gerne lesen, dass sie es weiterhin einfordern werden, Bücher auszuleihen, andererseits auch im Team schauen, wer für die Bibliothek in der Zukunft verantwortlich zeichnet. Besonders schön wäre es in diesem Zusammenhang, wenn wir eine Person für eine stabile Vorlesepatenschaft gewinnen könnten, am besten eine, die sich auch gerne um einen kleinen Bibliotheksbestand kümmert.
– März 2026