,,Man muss für hohe Ziele kämpfen.”

Schüler*innen begeistern und motivieren, so, dass sie darum kämpfen, ihre Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Das ist eine der vielen Ziele der Fellows bei Teach For Austria. Katharina Martys studierte Rechtswissenschaften und ist seit 2017 Fellow bei Teach For Austria. Die Juristin hat einen Schüler begleitet und ihm gezeigt, warum es sich lohnt, für seinen Traum zu kämpfen. Was ein Fellow in der Schule alles bewirken kann, zeigt Katharina Martys inspirierende Geschichte.

Kein Tag gleicht dem anderen

Die Schule ist für Katharina ein Ort, wo kein Tag dem anderen gleicht. “So ist es eben, wenn man mit Menschen und ihren Bedürfnissen, Wünschen und Sorgen konfrontiert ist. Es stellt eine tägliche Herausforderung dar, denn es ist kaum etwas vorhersehbar”, erzählt sie. Als quer eingestiegene Lehrkraft setzt sich Katharina für Kinder mit schlechten Startbedingungen ein und unterstützt sozial benachteiligte Schüler*innen dabei ihren Horizont zu erweitern und weiterführende Bildungswege einzuschlagen.

“In den eineinhalb Jahren habe ich viel Positives bewirken können”, lässt Katharina ihre Zeit als Teach For Austria Fellow Revue passieren. „Eine Geschichte, die mir besonders am Herzen liegt, ist die von Bedirhan*.” Bedirhan ist einer von Katharinas Schüler*innen. Sie unterrichtet den Vierzehnjährigen mit kurdischen Wurzeln in Englisch und im Fach Berufsorientierung. “Bedirhan ist mir von Anfang an als ein ganz besonderer Schüler aufgefallen. Er ist ein sehr ruhiges und respektvolles Kind. Doch vor allem seine Schüchternheit machte mir ein wenig Sorgen, denn ich bemerkte bei Bedirhan schnell, dass er sich persönlich wenig zutraute und sich klein machte.”, erzählt Katharina.

Zukunft nach der Schule

Im Herbst bat Katharina ihre Schüler*innen einen Fünf-Jahresplan zu erstellen. Die Schüler*innen sollen vor allem darüber nachzudenken, wie ihre nahe Zukunft nach der Pflichtschule aussehen würde. Schüler*innen sollen sich die Fragen stellen: Wo stehe ich jetzt? Wo will ich mit 18 stehen? Welche Ziele setze ich mir und was muss ich tun um diese zu erreichen? Wo soll der Weg hinführen? Die Co-Klassenvorständin fokussierte sich stark auf die berufliche Orientierung ihrer Schüler*innen und machte dies zu einem zentralen Thema für alle. Doch schnell wurde ihr klar:

“Die wenigsten hatten sich bisher Gedanken dazu gemacht und noch weniger dachten daran in eine höhere, weiterführende Schule zu gehen – also eine Schule, wo man Matura machen konnte um später einmal aus einem großen Topf an Möglichkeiten zu schöpfen oder etwa einmal zu studieren”,

so Katharina weiter.

„Doch bald traten recht viele Schüler*innen mit ihren Wünschen und Hoffnungen an mich heran und verstanden mich als Stütze auf ihrem Weg Richtung Zukunft. Ein Mädchen beispielsweise erzählte mir, dass sie unbedingt Jus studieren möchte – so wie ich es tat – um später den Menschen helfen zu können. Sie fragte mich, ob ich ihr nicht bei den berufspraktischen Tagen helfen könne sowie anderen SchülerInnen auch.” Bedirhan beobachtete dies zunächst eher aus der Ferne. Er sah, dass die junge, engagierte Juristin Mitschüler*innen Praktika-Plätze verschaffte, ihnen half Entscheidungen zu treffen, mit ihnen Gespräche führte oder mit ihnen nach Lehrstellen oder nach der passenden Schule suchte.

Nicht genug

Eines Tages stand Bedirhan vor Katharina. Er war sichtlich nervös. Die Co-Klassenvorständin fragte, ob er ihr etwas sagen wolle. Doch Bedirhan verneinte und ging wieder.

In der großen Pause erzählte er schließlich Katharina von seinem Traum eines Tages Medizin zu studieren und Allgemeinmediziner zu werden.

 

Er wisse, dass er dazu erst einmal die richtige Schule finden müsse aber zunächst wäre es sein großer Wunsch in einer Arztpraxis sein Berufspraktikum zu absolvieren.

“Er meinte, dass er nicht gut genug sei, also nicht fleißig genug und vor allem nicht gescheit genug.” Bedirhan hatte zwar schon ein Praktikum für die berufspraktischen Tage bei Interspar im Donauzentrum ergattert, doch das wolle er eigentlich gar nicht. „Bedirhan sah, dass ich anderen Kindern half. Er erzählte mir seine Geschichte und dachte schon länger darüber nach mich um Unterstützung zu fragen, denn er wisse gar nicht, wo er anfangen sollte. Ich freute mich, dass er sich mir gegenüber öffnete und mir vertraute. Gleichzeitig merkte ich seine Unsicherheit und, dass er einen Wunsch äußerte an dessen realistische Umsetzung er selbst nicht wirklich glaubte.”

Inspirieren und Motivieren

Hier fühlte sich Katharina gefordert. Sie wusste, dass sie im ersten Schritt dringend an Bedirhans Selbsbewusstsein arbeiten musste. Ihr nächster Schritt bestand darin, Bedirhan zu motivieren und zu inspirieren sowie den eigenen Glauben an sich zu stärken.“ Zuallererst zeigte ich  ihm seine Erfolge in der Schule auf, also zum Beispiel im Englischunterricht. Ich sprach öfters über seine Stärken mit ihm. Dann verschaffte ich ihm über einen ebenfalls engagierten Freund eine Praktikumsstelle bei einer Allgemeinmedizinerin im 18. Bezirk. Als ich Bedirhan dort besuchte, haben ihn die MitarbeiterInnen in der Ordination in den Himmel gelobt. Als er im weißen Kittel vor sich her strahlte waren wir beide mächtig stolz auf ihn.” Seit seinem Praktikum konnte Katharina Bedirhan dabei zuschauen, wie er täglich selbstbewusster wurde. Nach seinem Praktikum äußerte er erstmals  den Wunsch, dass er es an einer weiterführenden Schule probieren möchte.

Man muss für hohe Ziele kämpfen

„Später hatte ich dann ein Gespräch mit seiner Mutter. Das war eines der sinnvollsten und inspirierendsten Elterngespräche, das ich in diesen zwei Jahren geführt habe”, sagt sie. Zu Hause habe Bedirhan viel über Frau Martys gesprochen. Vor allem darüber, dass Katharina ihn im Unterricht motiviere und inspiriere. Bedirhans Mutter gab Katharina die Rückmeldung, dass ihr Sohn momentan eine Verwandlung durchmache:

“Er lernt so viel, weil er gut in der Schule sein möchte und weil er verstanden hat, dass das wichtig für seine Zukunft ist. Er redet plötzlich davon Matura zu machen und setzt alles daran seine Noten zu verbessern und das ist oberste Priorität für ihn.”

Katharina ist stolz, was sie mit ihrer Arbeit und Engagement erreichen konnte. „Bedirhans Traum wurde schlussendlich Wirklichkeit: er wurde in einem Oberstufenrealgymnasium aufgenommen. Ich bin sehr stolz auf ihn, weil er gelernt hat, dass man für hohe Ziele kämpfen muss und immer an sich glauben sollte”.

“Als Juristin war es mein Ziel, später einmal etwas zurückzugeben.”

Von erfolgreichen Geschichten wie diesen, fühlt sich Katharina Martys in ihrer Entscheidung bestärkt und empfiehlt das Programm an andere  weiter: “Als Juristin war es mein Ziel, später einmal etwas zurückzugeben, Menschen in Konfliktsituationen beratend zur Seite zu stehen und ihnen Halt zu geben. In meiner Rolle als Lehrkraft bündeln sich viele Kompetenzen zu einem großen Ganzen:

Ich bin Lehrende, Erzieherin,  Vertrauensperson, rechtliche Beraterin, Sozialarbeiterin, Streitschlichterin, Psychologin und an manchen Tagen auch einfach nur eine gute Freundin.”

Deswegen möchte sie das Programm jedem ans Herz legen und  Menschen zur Bewerbung ermutigen.

*Name durch die Redaktion geändert

erschienen bei uniport.at

Verstanden