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4 Tage Bildungsreise in Estland – Learnings aus dem PISA Land No 1

Ein Beitrag von Felix Stadler

Eine wunderbare Reise zur Teach For Austria Partnerorganisation Noored Kooli von 09.04.-12.04.2022. Eine Zusammenfassung meiner Beobachtungen zum estnischen Bildungssystem.  

Das Bildungssystem in Estland ist grundlegend anders aufgebaut als in Österreich. Das beginnt mit einem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. 84% der 1-3 Jährigen gehen in den Kindergarten, 95% der 3-7 Jährigen. Danach folgt eine 9-jährige gemeinsame Schule von 7-16, in die alle Kinder gehen und die mit einer einheitlichen, standardisierten Prüfung endet. Anschließend gibt es 3-jährige höhere Schulen.

Die Direktor*innen und Schulen haben eine unglaubliche Autonomie. So stellen sie all ihre Lehrer*innen selber an und kündigen diese z.B. auch. Starre, einheitliche Dienstrechte gibt es nicht, Mindestlöhne sehr wohl. So schauen die Verträge sehr unterschiedlich aus. Manche Lehrkräfte unterrichten 22 Stunden, andere nur 15 Stunden, weil sie sonst die Mathe-Koordination oder die Schulentwicklung Reflexionsgespräche machen. Auch die Gehälter sind flexibel und basieren nicht nur auf Dienstjahren. Aber auch Curricula sind teils autonom. Wir haben Schulen besucht, die nur eine 4-Tage-Unterrichtswoche haben. Am 5. Tage wird „independent learning“ gemacht, dabei lernen die Kinder entweder daheim oder gehen in Gruppen ins Museum oder in die Natur. Auch die Notengebung ist autonom. Viele Schulen geben bis zur 6. Klasse gar keine Noten, dann gibt es unterschiedliche Systeme. Bundeseinheitliche Systeme wie #Deutschförderklassen sind undenkbar. Das Ganze funktioniert natürlich nur weil es in den Schulen Management-Teams gibt die das alles machen.

 

Das Bildungssystem in Estland ist grundlegend anders aufgebaut als in Österreich. Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, Direktor*innen sind autonom und stellen all ihre Lehrer*innen selber an, es gibt so ziemlich alle Daten, die man sich vorstellen kann für jede Schule öffentlich einsehbar. Bürokratie wenig, Gestaltungsspielraum riesig.

 

Es gibt so ziemlich alle Daten, die man sich vorstellen kann für jede Schule öffentlich einsehbar. Die Ergebnisse der standardisierten Prüfung, die Noten, die Ausbildung der Lehrkräfte, die Fehlstunden, die Größe der Klassen, die Anzahl der PCs, den Background der Schüler*innen, etc. Diese Daten werden für fundierte Entscheidungen verwendet. Sowohl das Ministerium, als auch die einzelnen Schulen verwenden das als Grundlage ihres Tuns. Und, es gibt jährlich einen „satisfacory survey“ mit dem alle Kinder gefragt werden, wie es ihnen geht, was sie sie wünschen usw. – einsehbar für alle.

Die Governance ist sehr easy. Fast alle Schulen sind öffentliche „Gemeinde-Schulen“. Der „Bund“ gibt den Gemeinden Geld. Die machen sich mit den Schulen dann ein Budget aus. Der Rest der Entscheidungen wird von den Schulen getroffen. Sowas wie Bildungsdirektionen oder Schulqualitätsmanager*innen gibt es nicht. Bürokratie wenig, Gestaltungsspielraum riesig.

Doch auch im estnischen Bildungssystem gibt es Herausforderungen. Ein großes Thema war die inoffizielle Zweisprachigkeit: Russisch-Estnisch. Viele Schulen sind segregiert. Und, Drop-Outs von 16 Jährigen nach der gemeinsamen Schule sind hoch: 20% der Jugendlichen droppen raus.

Riesen Danke an Verena Hohengasser und Patrick Svensson-Jajko fürs Mitorganisieren und ein ❤ für Mona Mägi Soomer

 

Verstanden