Damit die Bildungsschere durch die Corona-Krise nicht noch weiter aufgeht, braucht es gerade jetzt herausragende Persönlichkeiten, die den Unterschied machen. Daher suchen wir weiterhin Fellows für den Jahrgang 2021. Wir haben den Bewerbungsprozess vollständig digitalisiert –
Jetzt vorregistrieren für den Fellowjahrgang 2021.

Hier findet ihr Einblick in die Arbeit unserer Fellows und unserer Organisation und welche Auswirkungen die Krise auf die Situation unserer Kids hat.

Bildungsgerechtigkeit in Zeiten von Corona – Was wir tun

Das Coronavirus hat global wie auch national erhebliche Auswirkungen und Veränderungen auf unseren Alltag gebracht. Durch die Schließung der Schulen sind vor allem Schüler und Schülerinnen mit herausfordernden Situationen konfrontiert. Auch unsere Fellows und das Team von Teach For Austria bleiben zu Hause und arbeiten mit Hochdruck daran, Kinder und Jugendliche beim Lernen zu unterstützen und die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen.

Es steht zu befürchten, dass Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status besonders unter der derzeitigen Krise leiden. Digitale Lernangebote helfen nur begrenzt, wenn Kinder und Jugendliche nicht geübt darin sind, Schulstoff selbständig zu erarbeiten.

Bei vielen Kids fehlen zudem die notwendigen digitalen Endgeräte oder Datenvolumen. Wie wir – Fellows, Alumni und das Team von Teach For Austria – trotz den gegebenen Umständen uns für Bildungsgerechtigkeit einsetzen, erfährt ihr in unserem Blog mit wöchentlichen Updates.

 

Gebhard Ottacher, CEO, Teach For Austria

Corona zwingt uns ins Home Office, macht uns zu Hauslehrer*innen und raubt uns nächtens den Schlaf. Das Virus vernichtet aktuell aber auch Bildungschancen im großen Stil. Denn die herkunftsbedingten Unterschiede, die an den Kindergärten und Schulen teilweise kompensiert werden, wirken sich jetzt, im Home Schooling, noch stärker aus. Deshalb geht die Schere zwischen arm und reich, gebildet und bildungsfern gerade noch schneller auf als bisher. Die Kinder aus den ärmsten Elternhäusern trifft es am härtesten. Ihnen mangelt es an vielem, was es zum Lernen zu Hause braucht: Arbeitsplatz, Lernmaterial, Internet, Laptop, Anleitung durch einen Erwachsenen.

Fellows haben aufgrund der Corona-Krise den Kontakt zu rd. 20% ihrer Schüler verloren, das sind fast 4.000 Kinder. Ich arbeite gerade intensiv daran, gemeinsam mit anderen Initiativen und basierend auf Erfahrungen unserer Schwesterorganisationen (u. A. Teach For China), diesen Kontakt möglichst schnell wieder herzustellen. Es braucht gerade jetzt engagierte Menschen, die an Kindergärten und Schulen Verantwortung übernehmen wollen. #geradejetzt

 

Ilsa Aichhorn, Fellow an einer Mittelschule

Seit bald zwei Wochen ist wieder Schulbetrieb – eingeschränkt, unter Hygieneauflagen und natürlich für uns alle gewöhnungsbedürftig. Mein bisheriges Resumeé fällt, auch für mich, überraschend positiv aus: In den kleinen Gruppen lässt es sich intensiver und konkreter arbeiten. Ich habe in zwei Wochen mehr geschafft als mit der ganzen Klasse in einem Monat. Es gibt angeregte Gespräche in der Klasse, man kann in diesen Kleingruppen diskutieren und reflektieren.

Leider kann ich die B Gruppen unserer Schule nicht persönlich treffen, da die Lehrer*innenteams in zwei Schichten aufgeteilt sind. Da merke ich schon, dass die anderen Hälften der Klassen nicht so gut erreichbar für mich sind, wie jene Schüler*innen, die ich direkt treffe. Bei jenen Kindern die noch im Home-Schooling sind, hängt es sehr stark an der Motivation der Kinder und dem Engagement des Elternhauses ab. Ich habe Kinder die blühen im E-Learning so richtig auf – die sind 1er Schüler*innen! Und dann gibt es auch leider Schüler*innen, von denen kommt nur wenig. Auch wenn die Eltern bemüht sind, es gelingt nicht ihre Kinder zu motivieren oder ihnen zu helfen.

Ich denke auch, dass solange nicht alle Kinder gleichen Zugang zu elektronischen Devices haben und einen gesicherten Internetzugang, wird sich die Bildungsschere weiter auftun. Und selbst wenn die Geräte vorhanden sind, so gibt es zu wenig digitale Kompetenzen. Das beginnt schon beim Anhängen von Dateien… oder wie ich mich auf einer E-Learning Plattform zurecht finden kann. Im Unterricht selbst wurde bis zum Corona-Lockdown kaum E-Learning eingesetzt. Ich sehe diese Zeit als riesen Chance,  die Vernetzung der Welt in positivem Sinne zu nutzen, denn wenn ich wirklich gut mit meinen Schüler*innen vernetzt bin und sie wissen, wie sie ihre digitalen Devices für den Unterricht nutzen können, dann ist es letztlich gleich, wo sich meine Schüler*innen befinden oder ob jemand da ist, der ihnen helfen kann – sie wissen wie und wo sie sich Hilfe holen können! Das wäre für mich wahre Bildungsgerechtigkeit (28.05.2020).

 

Magdalena Zak, Fellow an einer Polytechnischen Schule

Als Fellow an einer PTS beschäftigt mich aktuell am meisten die Unsicherheit unserer Schüler*innen in Hinblick auf ihre Zukunft ab Herbst. Der Großteil möchte ab Herbst eine Lehre starten. Unternehmen haben Bewerbungsprozesse ausgesetzt, viele Firmen haben das Recruiting an sich eingestellt.

„Experten“, die unsere Schüler*innen befragen, wenn sie unsicher sind, sind Eltern und Lehrkräfte – die können momentan auch nicht mehr als die nächsten zwei Wochen vorhersehen. Das alles erzeugt massive Unsicherheit und demoralisiert unsere Schüler*innen. Umso wichtiger ist es gerade jetzt sie positiv zu bestärken, ihre Selbstständigkeit hervorzuheben und sie bei der Lehrstellensuche zu unterstützen. Wir versuchen so viel persönlichen Kontakt wie möglich herzustellen und ihnen zu zeigen, dass wir „Teil ihres Teams“ sind. Auch in diesem Zusammenhang stellen fehlende Endgeräte oft eine Herausforderung dar: Ohne Laptop oder mit fehlender Internetverbindung gestalten sich Bewerbungen natürlich gleich wesentlich schwerer. Ich suche also Stellen, bespreche mit ihnen, welche für sie gut passen könnten und erinnere sie in diesem Kontext an ihre Stärken und Potenziale. Wir schreiben gemeinsam Bewerbungen und bereiten Unterlagen für Einstellungstests oder Gespräche vor.

Unsere Schüler*innen befinden sich an einem entscheidenden Punkt in ihrem Leben. Ein Punkt, der auch ohne Coronakrise herausfordernd genug ist. Hier müssen die Prioritäten also nicht auf den Englisch-Vokabeln liegen, sondern vielmehr darauf, sie gut zu führen und zu begleiten, damit sie motiviert und voller Vorfreude auf ihre Zukunft blicken (18.05.2020).

 

Sandrina Seyrling, Recruiterin Teach For Austria

Anfangs war Corona für mich, wie auch für viele andere, mit sehr viel Ungewissheit und Herausforderungen verbunden. Nach kürzester Zeit wurde mir jedoch wieder einmal klar, wie privilegiert ich doch bin. Ich habe einen Job, kann von zu Hause aus arbeiten, lebe in einem gewaltfreien Haushalt und bin in der Lage mich selbstständig an die Situation anzupassen. Viele unserer Kids an den Schulen und Kindergärten haben nicht diese Privilegien und die aktuelle Krise trifft sie besonders stark. Deshalb heißt es für uns #geradejetzt mit aller Kraft anzupacken und einen Unterschied für diese Kinder zu machen.
Als Recruiterin bin ich auf der Suche nach geeigneten Kandidat*innen für unser Fellowprogramm und begleite sie durch den Bewerbungsprozess. Durch die Schließungen der Unis und die Absagen der Veranstaltungen, waren ich und mein Team gezwungen neue Wege des Recruitments finden. Diese Umstellung war nicht nur eine Herausforderung für uns, sondern vor allem auch eine Chance. Mit viel Kreativität haben wir neue Formate für uns entdeckt, welche wir nun auch zukünftig weiter verwenden können.
Letzten Sonntag, 10. Mai, war unsere finale Bewerbungsdeadline und sie war ein großer Erfolg. Nun liegt es an uns, die Bewerber*innen gut durch die virtuellen Assessment Center zu bringen und die letzten Plätze im Fellowjahrgang 2020 zu vergeben. Ab September 2020 werden sich die Fellows für gerechte Bildungschancen unserer Kids einsetzen und den Unterschied an Schulen und Kindergärten machen. (14.05.2020)

 

Herwig Ebner, Fellow in einer Mittelschule

Seit der Umstellung auf Homeschooling erleben wir eine neue Dynamik in der Lehrer*innen – Schüler*innen Beziehung. In diesen Zeiten ist es sehr wichtig, den persönlichen Kontakt mit den Kids zu halten, sie zu coachen und ihnen konstruktive Rückmeldung zu geben – dies bestimmt auch zu großen Teilen meinen Alltag. Ich glaube, dass besonders die strukturellen Bedingungen in unserer Schule (wie z.B. die Organisation der Lehrer*innen in Jahrgangsteams, eigenes Digitalisierungsteam u.A.) uns dabei geholfen haben, mit der neuen Situation gut umzugehen. Wir haben es gemeinsam geschafft, alle unsere Schüler*innen zu erreichen und mit ihnen Kontakt zu halten – besonders die Klassenvorstände haben in den ersten Wochen unglaubliche Arbeit geleistet. Seit den Osterferien haben wir uns schulintern auch auf eine gemeinsame Lernplattform geeinigt, die die Zusammenarbeit und Kommunikation erleichtert.
Mich beschäftigt gerade unter anderem die Benotung: Es ist offensichtlich, welche Schüler*innen von ihren Eltern unterstützt werden und welche die schulischen Aufgaben alleine bewältigen müssen. Faire Benotung erfordert zurzeit das Einbeziehen der Lebensrealitäten der Schüler*innen, Sensibilität und Rücksichtnahme – noch mehr als vor COVID-19. (22.04.2020)

 

Christina Friedl, Selection Managerin

Mich beschäftigt derzeit, in welche Richtung uns diese Krise als Gesellschaft lenken wird.

Auf der einen Seite erschrecken mich die Schicksale so vieler Menschen, die schon zuvor zu den sozial Benachteiligten gehörten. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass diese Ausnahmesituation auch Chancen für positive Veränderungen bereithält. Ich will hier nach vorne blicken.

Persönlich habe ich als Selection Managerin bei Teach For Austria Glück. Viele meiner Aufgaben, wie die Betreuung der Online-Bewerbung, kann ich problemlos von Zuhause aus erledigen. Andere Dinge, wie unsere Assessment Center, konnten wir mit Kreativität und den vielen technischen Möglichkeiten rasch digital abbilden. Die Suche nach Fellows kann also weitergehen.

Denn meinem Team und mir ist wichtig, dass selbst unter diesen Umständen im Herbst ein starker und inspirierender Fellowjahrgang an Schulen und Kindergärten startet. Auch, wenn diese Zeit viele Einschränkungen mit sich bringt, darf bei Chancenfairness kein Kompromiss eingegangen werden! (20.04.2020)

 

Marwa El-Roumy, Fellow in einer Mittelschule

Aus der Situation das Bestmögliche machen.
Distance Learning öffnet uns viele Möglichkeiten und Chancen, stellt uns und unsere Schüler*innen aber auch vor Herausforderungen. Vor allem jene Kinder, die ohnehin benachteiligt sind. Mein erster Schritt bestand darin im Berg der ganzen Lernplattformen und Apps nicht zu versinken und das Passendste für mich und meine Schüler*innen zu finden. Dadurch konnte sich eine produktive Routine etablieren. Wichtiger noch als den Stoff „durch zu bringen“ erscheint mir die Tatsache für meine Schüler*innen da zu sein und die Frage „Wie geht es dir?“ hat in dieser Zeit mehr Bedeutungen als „Wieso ist die Mathe-HÜ bis jetzt nicht da?“. Denn gerade wegen physischer Distanz, finde ich soziale Nähe umso wichtiger (15.04.2020).

 

Julia Moser, Fellow in einem Kindergarten

Für die jetzige Zeit gibt es keinen Masterplan. Verantwortung übernehmen, um Veränderungen unter herausfordernden Umständen möglich zu machen, ist mein Arbeitsalltag. Nun eben von zu Hause. Die online Zusammenarbeit mit den READY-Fellows ist dabei essenzieller denn je #staystrongertogether. Gemeinsam mit den Bildungspartner*innen versorgen wir die Eltern momentan wöchentlich per E-Mail mit Inhalten. Die Materialien können auch ausgedruckt im Kindergarten abgeholt werden. Mit Briefbotschaften in Geschichtenform möchten wir den Kindern zeigen: Wir sind weiterhin für euch da. Energiespeicher auffüllen, Geist trainieren: Ich höre Podcasts, konsumiere ausgewählte Branchenliteratur und stärke mich durch Waldspaziergänge oder Homeworkouts. Trotz Euphorie und mehr Achtsamkeit stellt sich mir jedoch immer wieder die Frage: Wann sehe ich die Kinder wieder? (07.04.2020)

 

Yvonne Teufel, Trainerin

MÖGLICH MACHEN
Als Trainerin bei Teach for Austria waren für mich Zoom-Konferenzen, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice bereits vor Corona gelebte Praxis. Als Lehrerin in der Sekundarstufe II, deren SuS ab der 2. Klasse mit einem Laptop ausgestattet sind, war auch die Umstellung auf reines E-Learning keine große Herausforderung für mich (wenngleich ich doch den persönlichen Austausch mit meinen Schüler*innen, das Zwischenmenschliche, den “Schmäh” zwischendurch vermisse).
WACHSEN
Wir sind als Team sehr schnell ins Tun gekommen, wenn es darum ging organisationsübergreifende Jour Fixes oder Weiterbildungsangebote für Fellows online anzubieten und diese auch als Wachstumschance für uns alle zu sehen.
GEMEINSAM
Unsere aktuelle Aufgabe ist es, bereits aktive Fellows bestmöglich zu begleiten. Als Trainingsteam planen wir auch die Ausbildung der im Herbst 2020 startenden Fellows und passen sie an aktuelle Gegebenheiten an.
BEGEISTERN
Gerade in Situationen wie diesen ist die Arbeit mit Fellows extrem bereichernd. Sie stehen mit ihren Schüler*innen vor großen Herausforderungen – sicher auch begleitet von persönlichen Ängsten und Sorgen – und leisten weiterhin von Tag zu Tag gemeinsam mit ihrem Kollegium ihr Bestmögliches, um #geradejetzt eine Vorbildrolle für ihre SuS einzunehmen und ihnen Halt zu geben.

Und ich persönlich als Yvonne? Bin heute mehr denn je dankbar für meine sinnstiftenden Jobs, den spürbaren Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und für die Gesundheit meiner Familie & Freunde. (01.04.2020)

 

 

Magdalena Strauch, Head of Recruitment & Selection

Persönlich habe ich mich recht schnell an die derzeitige Situation gewöhnt. Denn ich gehöre zu den privilegierten Menschen, die von zu Hause arbeiten können. Ich mache mir jedoch Gedanken, was das gesellschaftlich aber auch wirtschaftlich bedeutet – Freunde, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen und sich fragen, wie es weitergehen wird. Die Schere, die weiter aufgehen wird, weil die derzeitige Situation benachteiligte Menschen besonders hart trifft.

Zum Glück kann ich durch meine Arbeit einen Beitrag dazu leisten, dass die Auswirkungen für einige Leute vielleicht nicht ganz so stark spürbar sind. Die Recruitment Saison läuft nach wie vor. Auf Social Media zeigen wir, wie unsere Fellows weiterhin mit ihren Schüler*innen arbeiten und wir bieten virtuelle Workshops und andere Formate an. Auch die Auswahl hat sich verändert. Im ersten virtuellen Assessment Center haben uns Kandidat*innen trotz der räumlichen Distanz begeistert. Ab Herbst werden sie Lebenswege verändern – eine Aufgabe die #geradejetzt wichtiger ist denn je. (27.03.2020)

 

Özgür Çatıkkaş, Fellow in einem Kindergarten

Für uns Ready-Fellows heißt es, den gemeinsamen Auftrag trotz der ungewöhnlichen Umstände weiterhin wahrzunehmen. Das tun wir auch – als Team: In Videokonferenzen tauschen wir uns über Erfahrungswerte und Zukunftsideen aus und erarbeiten Praxiskonzepte, um bald auch wieder vor Ort den uns anvertrauten Kindern zu fairen Bildungschancen zu verhelfen.

Darüber hinaus tüftle ich eigenverantwortlich an konkreten Bildungsangeboten und vertiefe mein Fachwissen durch das Studium einschlägiger Literatur. Zugleich tanke ich Kraft, um mich dann mit frischer Energie erneut den Kindern widmen zu können.

Es hat die letzten Monate geprägt, gemeinsam mit ihnen eine wechselseitige vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Und so bewegt mich persönlich gesprochen die Frage, wie es ihnen zurzeit wohl ergeht, ganz besonders. (25.03.2020)

 

 

 

 

Foto: Freepik

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