Neue Wege in der Unterrichtsarbeit sind mir ein Anliegen

Ganz wichtig ist mir – und das ist mittlerweile allgemein anerkannt –, dass an der Kopp2 die Schüler*innen im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen. So gibt es heute als Antwort auf die gestiegenen erzieherischen Herausforderungen ein breites Supportnetz durch die Schulpsychologie, die Schulsozialarbeit, aber auch durch die Unterstützung durch muttersprachliche Zusatzlehrer*innen. Ich kann also durchaus behaupten, stolz auf den derzeitigen Ruf der Schule – einer Brennpunktschule – zu sein.

von Willi Wunderer

Die besondere Herausforderung – wie in allen Ottakringer Mittelschulen – ist die Tatsache, dass wir nicht einen Querschnitt von Kindern aus der Ottakringer Bevölkerung unterrichten, sondern Kinder, die aufgrund ihrer persönlichen Situation besonderer Zuwendung und Förderung bedürfen. So beschulen wir derzeit 40 Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge nach Österreich kamen. Auch eine der neuen Deutschförderklassen gibt es bei uns und zusätzliche 35 Schüler*innen, die noch Seiteneinsteiger*innen sind oder gerade zum ersten Mal beurteilt werden müssen. Ebenso führen wir am Standort zwei Integrationsklassen. 95 Prozent unserer Schüler*innen haben eine andere Muttersprache als Deutsch.

Im Mikrokosmos der Kopp2 ist ein friedvolles Zusammenleben und Lernen möglich

Alle diese genannten „Besonderheiten“ sind für die Schule gelebte Herausforderungen, auf die der Lehrkörper seit Jahren mit besonderem Engagement und Teamgeist reagiert. Durch die, zugegeben, gestiegenen Herausforderungen an der Schule war es mir ein besonderes Anliegen, nach neuen Wegen in der Unterrichtsarbeit zu suchen. Zuerst gelang dies durch den Einsatz einer Volksschullehrerin und zweier Integrationslehrerinnen, die einen anderen und neuen Zugang zu Kindern und Unterrichtsarbeit aufzeigen konnten. Bald hörte ich vom Modell Teach For Austria, und schon 2013 bemühte ich mich sehr, einen Fellow an die Schule zu holen.

Es gibt heute eine gelebte gemeinsame Geschichte von Teach For Austria und der Kopp2, die von gegenseitiger Hochachtung und Motivation geprägt ist.

 

Der allererste Fellow am Standort war Wolfgang Irbinger. Die Vorstellung des Konzeptes Teach For Austria führte zu vielen Kontroversen und auch ablehnenden Haltungen dem Projekt gegenüber. Einige Lehrer*innen sprachen im Vorhinein einem Fellow viele Kompetenzen in der Unterrichtserteilung und vor allem auch in der Fachdidaktik ab. Vor allem die Tatsache, vielleicht mit einem Lehrer zusammenzuarbeiten, der nicht drei Jahre an der Pädagogischen Hochschule ausgebildet worden war, wirkte für einige Kolleg*innen abschreckend.

Nun, Wolfgang Irbinger kam, sah und siegte

Durch seine Persönlichkeit holte unser erster Teach For Austria Fellow Wolfgang Irbinger die Kolleg*innen auf seine Seite. Vor allem seine Flexibilität und seine Bereitschaft und Teamfähigkeit überzeugten in kürzester Zeit alle Kritiker*innen am Projekt. Mir ist heute noch eine Episode beim Erarbeiten der Lehrfächerverteilung mit Wolfgang in Erinnerung.

Ein Lehrer fragte, was er im kommenden Jahr unterrichten müsse. Wolfgang fragte, was er unterrichten dürfe und was er sonst noch alles tun könnte.

 

Mir ist es wichtig, einen Fellow als vollwertigen Lehrer mit allen Rechten und Pflichten einzusetzen, also auch als Hauptverantwortlichen in verschiedenen Unterrichtsfächern. Wolfgang wurde schnell in ein Team integriert, war bei der Umsetzung des iPad-Projektes dabei und initiierte auch eigene Projekte. Wolfgang ist nun das fünfte Jahr bei uns, ist anerkannter Englischlehrer und auch Klassenvorstand. Ich darf sagen, dass er durch seine Vorbildwirkung den Weg für die weiteren Fellows geebnet hat. 2015 kamen zwei weitere Fellows an unsere Schule: Barbara Karner und Stefan Steinberger. Stefan ist heute der einzige Fellow, der nicht an der Schule verlängerte. Er war als Mathematiker und Informatiker in einer Flüchtlingsklasse eingesetzt. Stefan war die Integration der Flüchtlinge ein besonderes Anliegen. Im Schulalltag entwickelte er sein Konzept, Flüchtlingen durch das Erlernen des Programmierens bessere Chancen in der Arbeitswelt zu ermöglichen. Er gründete sein Start-up-Unternehmen „New Austrian Coding School“. 2017 kamen mit Lisa Ferstl, Cecilia Cadman und Ingo Bergmann drei weitere Fellows zu uns.

Lisa ist als fixe Englischlehrerin in ein Jahrgangsteam integriert, und Cecilia arbeitet im Team mit, das die Flüchtlingsklasse und die neue Deutschförderklasse betreut. Ingo ist sowohl in der Betreuung der außerordentlichen Schüler*innen als auch im Team der vierten Klassen als Englischlehrer und auch als Spanischlehrer eingesetzt. Alle drei Lehrer*innen haben bereits in ihrem ersten Jahr an der Schule tolle Projekte initiiert und umgesetzt, die ich im Anschluss vorstellen möchte. Heuer kamen zu unserem Team noch die beiden Fellows Ines Part und Christina Hasenhüttl dazu.

In jedem pädagogischen Jahrgangsteam ist mindestens ein*e Fellow dabei

Mit diesen beiden ist nun in jedem pädagogischen Jahrgangsteam mindestens ein*e Fellow dabei, und ich kann feststellen, dass sie nun für alle im Lehrkörper wie selbstverständlich dazugehören. Heute bemühen sich viele Lehrer*innen, mit Fellows zu arbeiten.

 

Was alle Fellows in gleicher Art und Weise eingebracht haben, ist ihr oft völlig anderer Weg, auf Kinder und deren Schwierigkeiten zuzugehen. Alle Fellows haben für sich den Anspruch, sozial benachteiligten Kindern Möglichkeiten aufzuzeigen, sie zu ermuntern und Kompetenzen in ihnen zu erkennen und zu fördern. Das Erkennen und Fördern von Kompetenzen ist ja ein Grundanliegen der Schulform Mittelschule.

Ideen und Projekte, die Fellows eingebracht und verwirklicht haben

Wolfgang Irbinger führt mit einer Schüler*innengruppe den Blogg „kopp2.weebly.com“, bietet als Wahlpflichtfach „Coding“ an, arbeitet an einer Schüler*innenzeitung und betreut die Schüler*innen seines Jahrgangs in iPad-Angelegenheiten.

Barbara Karner schrieb mit ihren Schüler*innen das Musical „Compass of Peace“, das in der Ottakringer Brauerei vor 400 Besucher*innen aufgeführt wurde, und brachte den Superar-Chor an die Schule, in dem Kindern eine professionelle Gesangsausbildung ermöglicht wird. Mit ihrem Superar-Chor trat sie oftmals bei Veranstaltungen auf, darunter auch im Stephansdom, in der Minoritenkirche, gemein-sam mit den Wiener Sängerknaben, im Palais Liechtenstein und natürlich bei schulischen Veranstaltungen. Barbara ermöglichte einem Schüler auch den Übertritt zu den Wiener Sängerknaben.

Ingo Bergmann gründete im Freizeitbereich das Fach „Ultimate Frisbee“. Mit seinem Team, hauptsächlich gebildet aus Kindern mit Fluchterfahrung, wurde er Wiener Schulmeister im Frisbee. Heuer betreut Ingo auch das Mädchenfußballteam.

Lisa Ferstl schrieb mit ihrer Gruppe im Wahlpflichtfach „Kreatives Gestalten“ in Zusammenarbeit mit der Kochgruppe das literarische Kochbuch „Lachs ohne Wasser“, das sogar vom Verlag Ferstl & Perz verlegt wurde und im Rahmen einer sehr professionellen Veranstaltung als Teil der Ottakringer Bezirksfestwochen dem Publikum und der Presse präsentiert wurde.

Cecilia Cadman verwirklichte sich im besonderen Ausmaß mit ihren Talenten im musikalischen Bereich. Sie suchte und fand Schüler*innen, die sie für das Singen begeistern konnte, trainierte mit ihnen (auch in der Freizeit) und ermöglichte ihnen berührende Auftritte. So sangen zwei Mädchen beim Fünfjahresfest von Teach For Austria im Palais Liechtenstein und wurden dabei vom Erwachsenenchor begleitet. Ebenso trat Cecilia mit Sänger*innen und Musiker*innen im Bildungsdirektion für Wien bei den Auszeichnungsverleihungen und bei der beschriebenen Buchpräsentation auf. Bei allen diesen Projekten gelang es den Fellows, Kolleg*innen zu begeistern und für die Mitarbeit zu gewinnen.

Heute gibt es keinen Unterschied mehr im Ansehen von „gelernten“ Lehrer*innen und Fellows

Entscheidend dafür war aber auch, dass erfahrene Lehrer*innen sich der Fellows annahmen und sie bereitwillig in den Lehrkörper integrierten.

In vielen Fragen brauchten auch Fellows Anregungen und Hilfestellungen. Sowohl geprüfte Lehrer*innen als auch Fellows lernten durch die Zusammenarbeit neue Herangehensweisen kennen.

 

Viele Lehrer*innen haben Ideen von Fellows aufgegriffen und ebenso Projekte initiiert. Einige Lehrer*innen gaben auch an, durch die Zusammenarbeit mit einem/ einer Fellow neu motiviert zu sein und wieder viel engagierter zu arbeiten.

Eine Erfolgsgeschichte: die Öffnung von Schule zu Wirtschaft und Wirtschaft zu Schule

Ich bin sehr oft in die Aktivitäten der Fellows eingebunden und darf sagen, dass ich dies genieße. Dadurch ergeben sich immer wieder schöne Möglichkeiten, die Schule zu präsentieren und auch Anliegen zu äußern. Eine besondere Geschichte ist das Wirken von Mag. Sigi Menz von der Ottakringer Brauerei. Im Rahmen der Teach For Austria- Woche hielt er eine Unterrichtsstunde bei uns. Die Klasse von Barbara Karner ist ihm dabei so ans Herz gewachsen, dass er nicht nur die Präsentation ihres Musicals in der Ottakringer Brauerei ermöglichte, sondern die Klasse in die Brauerei einlud, den Schüler*innen die möglichen Lehrberufe in der Brauerei vorstellte und ihnen Hilfe bei etwaigen Bewerbungen versprach. Mehr kann, glaube ich, ein*e Fellow für seine/ihre Schüler*innen nicht erreichen.

Das Wirken der Fellows ermöglichte es mir auch, die Schule und deren Projekte in verschiedenen Medien zu präsentieren und dadurch den Bekanntheitsgrad und das Ansehen unserer Schule zu steigern.

Verstanden