TFA goes European Forum Alpbach 2018

Story von Simone Peschek

Wie wäre es, wenn wir von Grund auf ein neues Bildungssystem schaffen könnten? Ohne Vorgaben, ohne Beschränkungen, und mit einem einzigen Ziel: einen Rahmen schaffen, in dem sich alle Schüler*innen gleichermaßen entfalten können.

Mission to Mars

Genau das hat eine Gruppe von fünf Fellows am diesjährigen Europäischen Forum Alpbach versucht. Gemeinsam mit Ed Vainker, Schulgründer und Direktor der Reach Academy in Feltham (UK) und Tom Rose, einem Change-Experten von Ark Ventures, haben wir die 60 Teilnehmer*innen unseres Seminars gewissermaßen auf den Mars geschickt. In Kleingruppen hatten sie die Aufgabe, sich mit den Herausforderungen der bestehenden Schulsysteme auf der Erde auseinanderzusetzen und die Wünsche und Bedürfnisse der
Beteiligten (Schüler*innen, Lehrer*innen, Eltern, Direktor*innen und das Bildungsministerium) zu formulieren. In unserem Szenario, wo die Erde durch Naturkatastrophen und Krieg beinahe unbewohnbar war, wurden die Teilnehmer*innen nun in eine Rakete zum Mars geschickt, um dort ein neues System aufzubauen.

Diversity and Resilience

Wie schwierig dieser Prozess sein kann, zeigte sich schnell. Mit 60 Teilnehmer*innen und ebenso vielen Herangehensweisen wurde heftig diskutiert, argumentiert und ausprobiert. Die vielen verschiedenen kulturellen Hintergründe und auch eigene Erfahrungen wurden schnell ausgetauscht, denn schon am dritten Tag sollte ein erster Prototyp für ein Schulsystem feststehen. Wie können die Wünsche von Schüler*innen und Lehrer*innen vereinbart werden? Muss es überhaupt ein Bildungsministerium geben? Während manche Gruppen sich besonders mit Detailfragen wie dem Curriculum oder der Lehrer*innenausbildung auseinandersetzten, versuchten andere, die großen strukturellen Fragen zu lösen. Für eines der Projekte, Excitement for Everyone, wurde sogar eine eigene Website erstellt. Die Ergebnisse der „Mission to Mars“ sind demnach genauso vielseitig und divers wie auch die Teilnehmer*innen.

Design Thinking

Um einen effizienten, kreativen Prozess zu ermöglichen, haben wir das Konzept von „Design Thinking“ angewendet. Die Teilnehmer*innen haben sich zuerst intensiv mit der „Zielgruppe“ auseinandergesetzt und wurden daraufhin sehr schnell ins Schaffen gebracht. Im Laufe des 6-tägigen Seminars fanden mehrere Runden mit Feedback von Eltern, Schüler*innen, Lehrer*innen und den anderen Teilnehmenden statt. Außerdem gab Ed interessante Einblicke in den Aufbau und das Konzept seiner Schule sowie allgemeine Qualitätskriterien für Bildungssysteme. Der Prototyp wurde so immer wieder überarbeitet und neu durchdacht.

Alpbach goes on

Nachdem die Erde (noch) nicht wirklich unbewohnbar ist, sollte es natürlich nicht bei einem abstrakten Gedankenexperiment bleiben. Ziel unseres Seminars war es, sich intensiv mit Entwürfen zu einem neuen Bildungssystem zu beschäftigen, um am vorletzten Tag damit auf die Erde zurückzukehren. Die neue Fragestellung lautete nun: Welchen Teil deines Projekts könnte auch auf der Erde umgesetzt werden? Was kannst du tun, um im Bildungsbereich etwas zu verändern? Wir beschäftigten uns mit der Theory of Change und damit, was es braucht, um Projekte tatsächlich umzusetzen. Der Abschluss des Seminars war für mich wohl der schönste Moment, denn die vielen Ideen waren überwältigend: eine neue Teach for-Organisation gründen, für mehr Mitsprache in der Schule mit Klassenräten zu sorgen, ein Alumniprojekt starten…

Das Inspirierende an Alpbach war, sich mit so vielen Menschen aus aller Welt über Bildung auszutauschen. Eines ist dabei auf jeden Fall klar geworden: It’s a hot topic, und es mangelt nicht an Wille oder Ideen, um etwas zu verändern.

 

Verstanden