Damit die Bildungsschere durch die Corona-Krise nicht noch weiter aufgeht, braucht es gerade jetzt herausragende Persönlichkeiten, die den Unterschied machen. Daher suchen wir weiterhin Fellows für den Jahrgang 2021. Wir haben den Bewerbungsprozess vollständig digitalisiert –
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Hier findet ihr Einblick in die Arbeit unserer Fellows und unserer Organisation und welche Auswirkungen die Krise auf die Situation unserer Kids hat.

Vom Fellow in die “30 under 30”

Lisa-Maria Sommer hat Psychologie an der Uni Wien und VWL an der WU studiert. Nach ihrem Studium unterrichtete sie als Teach For Austria-Fellow an einer Mittelschule in Favoriten – 2018 wurde sie vom Forbes Magazine in die 30 under 30 Europe gewählt. Uns erzählt sie, wie aus einer Beobachtung im Schulalltag eines der erfolgreichsten Social Start-ups Österreichs wurde.

Portrait Lisa Maria Sommer
Lisa-Maria war Fellow 2014. 2018 kam sie in die Europäischen „30 under 30“ des Forbes Magazins.

Mit Teach For Austria kam Lisa-Maria Sommer im September 2014 als Quereinsteigerin in eine Mittelschule in Favoriten. Wie alle im Teach For Austria-Programm unterrichtete sie dort als Vollzeitlehrkraft, um Kindern, die es nicht so leicht haben, Perspektiven aufzuzeigen und sie für einen weiterführenden Bildungsweg zu begeistern. “Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich nicht nur einen Bildungs- sondern auch einen Integrationsauftrag habe”, erzählt die 26-Jährige. Die Herausforderung lag oft nicht bei den Kindern, sondern vor allem bei deren Eltern erinnert sich Lisa-Maria: “Die Eltern wussten oft nicht, welche Angebote es im österreichischen Bildungssystem gibt und wie diese zu bewerten sind.”

Die Lücke schließen

Als im Sommer 2015  nach ihrem ersten Schuljahr schließlich zehntausende Geflüchtete nach Österreich kamen, sah Lisa-Maria auch außerhalb ihres Klassenzimmers Handlungsbedarf. Durch das Teach For Austria-Fellowprogramm hatte sie Julian Richter und Nina Poxleitner kennengelernt und es war schnell klar, dass dieses Trio super zusammenarbeitet. Eine gemeinsame Idee gab es auch schon:  “2015 ist von Seiten der Zivilgesellschaft so viel entstanden. Im Zentrum waren vor allem Basisqualifizierung, Deutschkurse, Unterkunft usw. Wir haben uns gefragt, welche Angebote es für jene Geflüchtete gibt, die gut ausgebildet sind und eigentlich schnell am österreichischen Arbeitsmarkt durchstarten können und sind ziemlich schnell drauf gekommen, dass es hier eine Lücke gibt,” erzählt Lisa-Maria.

“Wir probieren’s einfach”

Diese Nische hatten die drei für sich entdeckt. “Gut ausgebildete Geflüchtete brauchen eine Starthilfe und die Kinder in unseren Klassen brauchen Rolemodels”, beschlossen Lisa-Maria, Julian und Nina. Mit der Einstellung “Wir probieren’s einfach” gründeten die drei MTOP – MORE THAN ONE PERSPECTIVE – ein Social Business, das hochqualifizierte Geflüchtete und Betriebe zusammenführt und beide Seiten begleitet. Mit der Unterstützung der Teach For Austria-Community und Geschäftsführung ging es schnell an die Umsetzung erinnert sich die junge Gründerin: “Anfangs sind wir an den Wochenenden im Teach For Austria-Office gesessen und haben konzeptioniert. Nachdem wir das zweite Jahr an der Schule beendet hatten, haben wir im September angefangen, vollzeit an MTOP zu arbeiten. Im Oktober haben wir schon mit den ersten Teilnehmer*innen gestartet.”

Flexibel als Fellow und Gründerin

Mittlerweile haben 30 Geflüchtete das MTOP-Programm absolviert – 80 % davon sind erfolgreich am Arbeitsmarkt angekommen, weitere 70 sind gerade im Programm. Im Jänner wurden Lisa-Maria und Nina in die Forbes “30 under 30 Europe” gewählt. Vom Teach For Austria-Fellow in der NMS zur ausgezeichneten Gründerin – ein unüblicher Karriereweg? Für Lisa-Maria Sommer nicht:  “Wir konnten uns so viel aus der Zeit in der Klasse mitnehmen. Als Lehrer*in lernt man Ziele zu verfolgen und flexibel zu sein – sehr oft funktioniert es nämlich nicht schon beim ersten Mal so, wie man sich das in der Vorbereitung überlegt hatte. Dann muss man eben flexibel sein und schnell adaptieren – eine Eigenschaft, die jede/r Gründer*in genauso braucht.” Für sie war ihre Zeit als Teach For Austria-Fellow sehr prägend: “Das, was du in den zwei Jahren lernst, ist so wertvoll und in so vielen Situationen hilfreich. In meinem Fellowjahrgang waren über 30 engagierte Leute – sie alle sind ganz unterschiedliche Wege gegangen – in Politik und Verwaltung, in die Erwachsenenbildung, viele haben ihre Passion in der Schule gefunden. Ich kann das Fellowprogramm also allen empfehlen, die außerhalb ihrer Blase etwas verändern wollen. Was nachher kommt, entscheidest du.”

Verstanden